Schönwetterbeziehungen und was den Sommer unschlagbar sexy macht

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Warum Beziehungen im Sommer besser sind.

Maria Brehmer
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«Ein lauer Sommerabend: Er ist wunderschön – und kommt doch irgendwann zu einem Ende. Das macht ihn bedeutend.»

«Ein lauer Sommerabend: Er ist wunderschön – und kommt doch irgendwann zu einem Ende. Das macht ihn bedeutend.»

Sandra Ardizzone

Die Zeit des Kuschelns ist vorbei. Die Temperaturen sind wärmer, die Tage länger, und manch ein Beziehungsmittelpunkt verlagert sich weg vom Sofa, raus ins Freie. Gemeinsam plant man jetzt, und was man plant, das sollte sich vom Fernsehschauen unterscheiden. Und so sind die lauschigsten Apéroplätze der Stadt wieder besetzt, an den Fluss- und Seeufern die Zwei-Meter-Abstand-Rasenstücke rar. Der Sommer naht mit grossen Schritten.

Mehr nackte Haut, mehr heisse Nächte

Auch meine Beziehung bekommt im Sommer einen anderen Drive. Spüre ich den Frühsommer, werde ich aktiver – Vitamin D sei Dank! – und ist ein Schönwettertag, so will ich schöne Dinge tun. Mit meinem Freund in den Sonnenaufgang wandern etwa. So tun, als sei die Aare schon warm genug für einen Schwumm. Oder einfach in den Maitag hineinleben, Hauptsache, die Sonne blendet uns.

Das ganze romantische Weihnachtstrallala ist natürlich auch nett, aber der Sommer ist einfach unschlagbar sexy: mehr Abenteuer, mehr nackte Haut, mehr Lagerfeuer, mehr tropische Nächte.

Die Literatur kennt die Schattenseiten

Romantische Geschichten, die im Sommer ihren Schauplatz haben, gehören zu meinen liebsten. Georges Simenons Roman «Das blaue Zimmer» etwa, der seinen Anfang an einem warmen Augustnachmittag nimmt, als der verheiratete Tony und seine Geliebte sich gerade zum wiederholten Male in ebendiesem blauen Zimmer in den Laken räkeln.

Oder Kurt Tucholskys «Schloss Gripsholm». In der «Sommergeschichte», wie der deutsche Autor seinen Roman nennt, erleben die verliebten Protagonisten pures Glück auf dem schwedischen Traumschloss – und verfallen in ihrer sommerfrischen Sorglosigkeit gar einer erotischen Ménage à trois. In beiden Geschichten spielt das schöne, zuweilen stickig-heisse Wetter eine wichtige Rolle: Es transportiert die Stimmung vom ersten Satz bis zum letzten.

Abgründiges, Schwermütiges, Vergängliches

Dass in beiden Geschichten ein Gefühl von Melancholie mitschwingt, das auch ich in den Sommermonaten spüre, macht sie für mich erst besonders. So ahnen die heimlichen Geliebten auch in ihren schönsten Stunden, dass ihren Treffen im blauen Zimmer ein tragisches Ende bevorstehen muss. Und Peter und Lydia aus «Schloss Gripsholm» ermahnt die harte Realität des Lebens in einem nahe gelegenen Kinderheim, dass aller Sonnenschein immer auch eine Schattenseite birgt.

Beide Geschichten machen nachdenklich – weil sie neben beflügelt-leichter Liebe auch Abgründiges beschreiben. Ich mag das Schwermütige. Nichts gibt diese Stimmung für mich besser wieder als ein lauer Sommerabend. Er ist wunderschön – und kommt doch irgendwann zu einem Ende. Das macht ihn bedeutend.

Auch jeder Sommer ist irgendwann vorbei. Aber halb so schlimm – denn nach dem Sommer kommt die Zeit des Kuschelns.