Buchtipp: Ein unbeholfener Jüngling wird zum gefeierten Schauspieler

Belles Lettres

Julia Nehmiz
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Landauf, landab starten die Theater in die neue Spielzeit. Der Vorhang hebt sich, die Schauspieler führen Stücke auf, das Publikum applaudiert ergriffen. Ach, diese Kunst! Doch was hehre Hingabe auslöst, hat oftmals einen profanen Hintergrund. ­Wie wird man denn zum Bühnenkünstler?

Joachim Meyerhoff liefert in seinem Roman die lustigste und berührendste Erklärung. Meyerhoff, seit 2005 Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, erzählt vom Scheitern als Schauspielschüler in München. Er wird überraschend an der Otto-Falckenberg-Schule aufgenommen und zieht bei seinen Grosseltern ein, die in einer Villa nahe des Nymphenburger Schlosses ein Leben zwischen Ritualen, Alkohol und Hingabe füreinander führen. Was der unbeholfene Jüngling erlebt in absurden Schauspielschulübungen (zum Beispiel einen Text aus «Effi Briest» als Nilpferd vortragen) und im exaltierten grosselterlichen Haushalt (mit allabendlichem Champagner- und Cointreau-Besäufnis), das beschreibt Meyerhoff schreiend komisch, zugleich liebevoll und tiefgründig. Ein trauriger Kern steckt hinter den lustigen Anekdoten. Und macht Meyerhoffs Roman zum berührenden Leseerlebnis.

Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke,
Kiepenheuer & Witsch, S. 352, Fr. 32.-