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Kolumne

Schäfli ungeschoren: Stoppt Schweiz Tourismus!

Das Schlimmste, was dem Aescher und der Schweiz passieren konnte, waren Touristen. Zeit, so einiges zu ändern.
Roland Schäfli

Dies ist die neue Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Kunden sind lästig. Sie machen nur Arbeit. Am schlimmsten sind die Touristen. Die wollen was für ihr Geld. Schuld an dieser Erwartungshaltung ist Schweiz Tourismus. Der Vermarkter ignoriert alle Warnsignale der globalen Tourismus­erwärmung.

Aktuellstes Opfer: das Berggasthaus Aescher-Wildkirchli. Das Wirtepaar kapituliert mitten in der Hochsaison (obwohl bei 1454 Meter über Meer immer Hochsaison ist). Weil die Gäste in der Überzahl sind. Alarmierend, denn die munzige Alpsteinhütte galt als «Too Small To Fail».

Wir sollten wieder wie früher auf unfreundlichen Service und überhöhte Preise setzen. Der Frankenschock war nicht nachhaltig genug, die SNB ist gehalten, die Situation wieder anzuspannen. Doch unverdrossen beabsichtigt der Bund sogar noch, die Bergstrassen zu den Gipfelrestaurants zu verbreitern. Um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, bereitet die SVP ein Initiative vor: «Schluss mit der Massentouristen-Einwanderung!»

Das «Aescher»-Debakel zeigt: Auslöser des Touristen-Tsunamis waren lobende Reportagen. Ungefragt wurde der «Aescher» als «schönster Ort der Welt» betitelt. Zu spät für eine Gegendarstellung. Zu spät, um den Tonfall auf der Website anzupassen – das «heemlige Berggaschthuus» schreit ja förmlich nach einer unangemeldeten Stippvisite. Da war der Zug schon abgefahren. Mit Tausenden Indern drin.

Die hilflosen Wirte konnten die Fremden nicht daran hindern, ihre selbstzufriedenen Selfies auf Instagram zu stellen. Obwohl die Beiz, um genau dieser Gratiswerbung vorzubeugen, kein WLAN hat. Verpasst wurde die Gelegenheit, Selfie-Unglücksfälle der jüngsten Vergangenheit zur Abschreckung zu nutzen: Mit der Drohung der Absturzgefahr beim unvorsichtigen Selbstporträt hätten sich Unmengen von Ausflüglern vergraulen lassen.

Während Lugano Tourismus seine Gipfelkreuze wegretuschiert, war der Alpstein in seiner ganzen unzensierten Schönheit zu sehen. Erfolglos blieb ebenso, die herumlümmelnden Besucher mit den atonalen Tönen aus einem Alphorn zu vergrämen.

Der Instagram-­Account von Schweiz Tourismus ist auf 367000 Follower angeschwollen. Nicht auszudenken, was passierte, wenn diese – angelockt von einem Aufruf zum Flash-Mob – alle auf einmal auf die Ebenalp wollten. Was Bergbeizen brauchen, sind nicht Wirte-Eheleute, sondern ledige Crowd-Manager. Und hart durchgreifende Verkehrskadetten.

Es ist nicht so, dass die Schweiz für den Massentourismus zu klein wäre. Vielmehr ist der Massentourismus zu gross für uns. Dennoch behauptet Schweiz Tourismus im Ausland, hier sei es schöner als anderswo. Was nicht stimmt, wie jeder weiss, der schon mal in Anderswo war.

Trotz der Dürre spielen die Touristiker weiter mit dem Feuer: Statt grundehrlich darauf hinzuweisen, dass die Trockenheit unsere saftigsten Landstriche in braune, unwirt­liche Einöden verwandelt hat, bejubeln die Switzerland-Vermarkter diese furztrockene Tatsache.

Folgende Reklamesprüche sind geplant:

- Klosters: «So trocken wie unser Martini!»

- Genf: «Hier verdunsten sogar die hohen Preise!»

- Arosa: «Braun ist das neue Grün!»

- Bürgenstock: «Hier transpirieren sogar die Reichen!»

- Andermatt: «Wir schwitzen wegen unserer Geschäftsideen – Sie nur wegen der Sonne!»

- St.Moritz: «Bei den Temperaturen ziehen sogar die Russinnen den Pelzmantel aus!»

- Gotthard: «Bei uns hängt nicht nur Bernhardinern die Zunge raus!»

- Wallis: «Entschleunigt: Schau den Gletschern beim Schmelzen zu!»

Dabei wäre das einzig Richtige, den Werbeslogan der Grand Tour, «Der Weg ist das Ziel», umzutexten: «Das Ziel ist: Weg mit den Touristen!»

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