Glosse
Schäfli ungeschoren: Sozialdetektive sollen Tierquäler observieren

Die ETH belegt mit einer Studie, dass die Tierquälerei im Thurgau genetisch bedingt ist. Dafür haben die Zürcher bei 14 Rhesus-Affen das Gehirn entnommen.

Roland Schäfli
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Dies ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag» (OaS). Die ganze Ausgabe der OaS lesen Sie hier.

In Herrenhof fand ein Schaf-Rodeo statt. Ein Bauer soll Tierchen herumgeworfen haben wie Wollknäuel. Obwohl nicht als Sozialschmarotzer verdächtigt, wurde er durch ein Teleobjektiv gefilmt.

Die Agrar-Lobby in Bern zeigte sich entsetzt, dass der Schafhalter keinen subventionierten Herdenschutzhund besitzt, sondern die Tiere noch persönlich anbellt. Dass der Bauer die Schafe mit Steinen beworfen hat, konnte ihm nicht zur Last gelegt werden, weil er im Militär keinen Offiziersrang bekleidet. Der UNO-Sicherheitsrat, noch immer ohne Schweizer Vertretung, äusserte sich «besorgt über die Zunahme der Gewalt im Krisengebiet Thurgau».

Die Medien nennen den Herrn von Herrenhof A. Z., um seine Identität geheim zu halten. Nur so viel: Es handelt sich nicht um einen Sohn von Ueli Maurer. Observiert wurde A. Z. mit der Standardausrüstung naserümpfender Schnüffler. Das Aufgabengebiet der Sozialdetektive lasse sich ohne weiteres aufs Sozialverhalten auf Bauernhöfen ausweiten, verspricht Alain Berset: Das neue Gesetz bringe mehr Vorverurteilungen, die aufwendige Abklärungen abkürzen.

Der Skandal befeuert die Debatte um die Hornkuh-Initiative. Sollen Kühe mit einem auf 600 Grad erhitzten Eisen enthornt werden? Politisch ein heisseres Eisen als der EU-Rahmenvertrag, der seinerseits die Enthornung der Schweizer zum Ziel hat. Ist A. Z. auch nur ein Hornochse wie jene Bauern, die mit aller Gewalt ins Fernsehen wollen und bei der Brautwerbung Mist bauen? Bis das vom Kantonstierarzt geklärt ist, fliesst noch viel Gletscherwasser die Thur hinunter. So oder so, dieses Bauernopfer hat seine Chance auf einen Bundesratssitz verspielt, obwohl er als Ostschweizer Anspruch darauf hätte.

Fragen Sie sich selbst: Steckt nicht auch in Ihnen ein kleiner Tierquäler? Als Sie in der Migros erstmals nach der Packung mit Insekten griffen, erkundigten Sie sich, ob die knusprigen Bio-Heuschrecken artgerecht gehalten wurden? Kaufen Sie glückliche Fair­trade-Freiland-Mehlwürmer? Der Transport von der Ameisenfarm sorgt für unnötigen Stress vor dem Frittieren. Dabei könnte man Insekten problemlos auf der neuen Sandinsel im Bodensee züchten. Und wenn Sie einen Pullover aus Schafwolle kaufen, fragen Sie die Verkäuferin, ob die Laufmasche eventuell auf Prügel im Thurgau hindeutet?

Niemand an der Olma hat die arme Sau gefragt, ob sie mit Johann Schneider-Ammann aufs Foto will. Menschen würden auch quieken, wenn sie vom Schweinchenflüsterer hochgehalten werden. Und erst die Schweizer Alpenschweine! So nennen Tourismusbetriebe Besucher aus China, wenn sie die Toiletten nicht fachgerecht benutzen, aber hier ist die Rede vom «porc d’alpage», im Tierpark Goldau gegen seinen Willen wieder angesiedelt, von Pro Specie Rara nachgezüchtet. Vielleicht hat das schwarze Schwein sich ja mit gutem Grund aus der Schweiz abgesetzt?

Überliefert sind die letzten Worte des Luchses, der in Appenzell Innerrhoden geschossen wurde: Wo ist Heidi Abel, wenn man sie braucht? Und im Bündnerland kam es zu neuen mysteriösen «Abstürzen» von Wölfen. Dieselbe Organisation, die das Video des Thurgauers verbreitete, soll auch belastendes Material eines Bündner Tierquälers haben: Es zeigt, wie er einen Wolf den Fels herunterschupft. Video-Experten glauben, es könnte sich dabei um einen Tierschützer im Wolfspelz handeln.