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Glosse

Schäfli ungeschoren: Johann Schneider-Ammann wollte gar nicht gehen

Bundesrat Johann Schneider-Ammann wollte gar nicht zurücktreten. Das Ganze war ein Missverständnis, wie dieses Protokoll einer Sitzung zeigt.
Roland Schäfli

Dies ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag» (OaS). Die ganze Ausgabe der OaS lesen Sie hier.

Johann Schneider-Ammanns (JSA) Rücktritt wurde als Gerücht bekannt. Seine zahlreichen Chefbeamten befürchten beim Abgang einen Kahlschlag, der die Novartis noch übertreffen könnte. Wie dieses Protokoll der Sitzung zeigt, in der seine Berater die übliche Schadensbegrenzung nach einer JSA-Äusserung betreiben wollten.

Berater (B): Es sind Gerüchte über Ihren Rücktritt verbreitet worden. Haben Sie wieder etwas Unbedachtes gesagt?

JSA: Ich kann gar nicht zurücktreten. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand! Ausgerechnet die Pazifisten wollen mich abschiessen! Man hält mich in der Kriegsmaterialdebatte wohl für die Attrappe einer Tretmine ohne Zünder!

B: Aber wie konnten die Medien einen Rücktritt interpretieren?

JSA: Ich bin zu ehrlich. Als ich in der Debatte um die Kürzung der Wartezeit für heiratswillige Brautleute von zehn auf null Tage kurz wegnickte, fragte ein Journalist, ob ich noch länger warten würde. Als ich zu mir kam, ging ich davon aus, es sei noch immer von der Wartefrist die Rede, und antwortete staatsmännisch: «Nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.»

B: Oh Nein! Mit derselben historischen Äusserung über eine mögliche Ausreise wurde unbeabsichtigt die Grenze der DDR geöffnet!

JSA: Einmal mehr bin ich falsch verstanden worden. Wie in Tänikon, wo ich nur sagte, ich hätte die Kompetenz, das Zentrum für landwirtschaftliche Forschung zu schliessen, und plötzlich schoss die Agroscope aus allen Rohren!

B: Wir müssen dringend ein Dementi herausgeben. Die Medien handeln schon mit Ihren Nachfolgern!

JSA: Ich war stets für Freihandelsabkommen, dies wird mein Vermächtnis sein. Unsere Rüstungsindustrie hat für alle Zeiten genug Palmöl, um Waffen zu schmieren.

B: Es tut uns leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber der Ständerat hat soeben entschieden, Palmöl aus Ihren Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen auszuklammern.

JSA: Das macht mich jetzt extrem müde. Nicht mal das läuft wie geschmiert.

B: Das Parlament entzieht Ihnen auch die Kompetenz beim Waffenhandel, Novartis streicht 2000 Stellen, und jetzt ist auch noch die Hochseeflotte gekapert worden. Vielleicht wäre Rückzug eine gute Strategie.

JSA: Ausgerechnet jetzt, wo für Alte wie mich die Krankenkassenprämien steigen? Wenigstens müsste ich nicht mehr mit den Bauern reden. Obwohl: Sie reden ja auch nicht mit mir. Also abgemacht, ich steige aus dieser Sekte aus, wie Michelle Hunziker. Jetzt muss die FDP eine Frau suchen. Wie bei «Bauer, ledig sucht». Damit Ordnung im Stall ist!

B: Wenn Sie vor Leuthard zurücktreten, können wir unsere Nachfolger vor der CVP in Stellung bringen. Einig werden muss man sich nur über den Schlüssel.

JSA: FDP first! Aber den Büroschlüssel gebe ich erst am letzten Tag ab.

B: Wir meinen den Schlüssel zur Zusammensetzung der Bundesratsparteien – die Zauberformel.

JSA: Meine Zauberformel lautete stets: Jobs, Jobs, Jobs! Und jetzt ging meiner Hops. Ich werde ausgeklammert wie Palmöl. Aber vorher kommt noch die Debatte um die Waffenexporte.

B: Wir werden Ihnen schon die richtigen Antworten einflüstern.

JSA: Aber bitte laut! Die Kritik ist wie ein Trommelfeuer! Bei dem Lärm kann niemand schlafen.

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