Glosse

Schäfli ungeschoren: James Bonds tödlichste Mission – «Swiss Kills»

James Bond, Doppelbürger mit Schweizer Pass, muss im nächsten Film einmal mehr in der Schweiz für Ordnung sorgen. Denn zum Jahresanfang werden die Chefsessel von kriminellen Kadern neu besetzt und die Berufsmeisterschaften der Supergangster ausgetragen. Titel: «Swiss Kills».

Roland Schäfli
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(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Im nächsten Film kehrt Heimweh-Schweizer James Bond in die Alpen zurück. Wie dieser exklusive Auszug des 007-Scripts «Swiss Kills» zeigt, muss der Agent zwei brandneuen Schweizer Superschurken entgegen treten.

Bond musterte das Gebäude wie er einen Gegner mustern würde. Sollte er hier die Pläne für ein neues Kampfflugzeug stehlen, das an der Urne garantiert nicht abstürzt? Oder den Doppelagenten von Abu Dhabi enttarnen, Pierre Maudet? Weit gefährlicher: Hinter den Mauern dieser biederen Landbank verbarg sich die Zentrale des grössten Banknetzes der Schweiz. Die Raiffeisen hatte, was auch ausserhalb des Geheimdiensts kein Geheimnis war, den Machtanspruch als globaler Finanzplayer.

Es war der älteste Trick der Bankenwelt. Am Schalter wies sich Bond, der aussah wie der 50-jähriger Daniel Craig, als britischer Bürger aus, mit dem Wunsch ein Konto zu eröffnen, um in der Schweiz Geld vor dem britischen Fiskus zu verstecken. Und während die Angestellte die notwendigen Formulare ausfüllte, verschaffte er sich Zutritt zum Chefbüro. Durch das bünzlige Türschild «Hier muss der Chef noch arbeiten» einfach zu finden. Zweifellos ein weiterer Versuch, ein gutbürgerliches Image wieder herzustellen. Supergangster Pierin Vincenz war neutralisiert, aber die Raiffeisen war wie eine Hydra. Schlug man ihr den Kopf ab, wuchs sofort ein neuer CEO nach.

007 hatte oft mit Übermenschen gerungen, die die Weltherrschaft an sich reissen wollten. Schon am exzentrischen Äusseren waren sie zu erkennen: ein Schmiss auf der Backe, gieriges Glitzern im Auge hinter dem Monokel, finsteres Lachen den Grössenwahn verratend. Doch nichts hätte Bond auf das Aussehen des neuen Raiffeisen-CEO vorbereiten können. Heinz Huber sah absolut unauffällig aus. Eher wie ein KV-Stift mit Bart. Vor der grauen Wand kaum sichtbar. Das war das Gefährliche an Huber: Er wirkte absolut ungefährlich.

Ertappt klappte der neue Raiffeisen-Chef die Bilanz zu. Doch Bond hatte den Trick erkannt: ein buchhalterischer Kniff, der die grössten Spesenexzesse unsichtbar macht. «Da Sie unser neues Bankgeheimnis kennen, werde ich Sie leider liquidieren müssen, Mister Bond», sagte Huber und lächelte sein Schweizer Bankierslächeln.

Dies war der Moment, in dem der Erzschurke üblicherweise den tödlichen Laser oder die Atombombe im Handtaschenformat zum Einsatz brachte. Allerdings hatte Huber mit «Liquidieren» nur das neue Konto von 007 gemeint.

Doch schneller als Theresa May «Brexit» sagen konnte, hatte Bond die von Schweizer Bankern gefürchtete Waffe scharf gemacht: die Aberkennung der Schweizer Börse von der EU. Bevor Huber seine Finanzspritze ziehen konnte, hatte Bond die Schweiz im Börsenhandel ausgeschaltet. Marginalisiert. Wo vorher die Schweizer Finanzdrehscheibe war, klaffte nur noch ein rotierendes, rauchendes Loch.

Für Fans der Filme nicht überraschend erschien nun ein weiterer Schurke, der den geheimen Buchhaltungssatz für unsichtbare Spesen an sich bringen wollte. Der neue Chef der Post, Roberto Cirillo, versuchte, Bonds Aston Martin unauffällig zu folgen. Doch Bonds geschultem Blick für Imageschäden fiel das zerbeulte Postauto sofort auf. Wie viele Nachfolger bereits unschädlich gemachter Gegner würden die Schweizer Hydra-Unternehmen denn noch gegen ihn aufbieten?

Glosse

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Roland Schäfli