Glosse

Schäfli ungeschoren: Bundesrats-Babys sollen genmanipuliert werden

Chinesische Gen-Manipulation könnte Geburtsfehler von Politikern beheben: Pierre Maudet, der aufgrund eines Mittelohrversagens nur hört, was er will, selbst wenn «Rücktritt»! direkt in seine Hörmuschel geschrien wird, würde nicht zum ersten Mal von einer Manipulation profitieren.

Roland Schäfli
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(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die Bundesratskandidaten mussten zu Hearings der Fraktionen antraben. Keiner passt allen. Und nur weil jemandem eine Nase nicht passt, könnte das die Nichtwahl zur Folge haben. Chinesische Forscher haben die Lösung: genmanipulierte Bundesräte. Dann klapp's auch mit den Grünen.

China hat in neun Monaten bei schwierigen Geburten mehr Fortschritte gemacht als die Schweiz mit dem EU-Rahmenabkommen in zehn Jahren. Darum stimmen die Bundeshausfraktionen in seltener Einigkeit zu, das Genmaterial für Bundesräte künftig durch die chinesische Wissenschaft sortieren zu lassen. Einer zukünftigen Version von Heidi Z’graggen zum Beispiel könnte problemlos das EU-Gen entfernt werden, das SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi in ihr vermutet. In einer verbesserten Z’graggen wäre ihre Zahnlücke ebenso verschwunden wie der störende Apostroph im Namen.

FDP-Regierungsrat Hans Wicki hing bei den Hearings unten durch wie ein ungesicherter Delta-Segler in Interlaken. An ihm monierten die Fraktionen die Spreizfüsse: in der bürgerlichen Mitte zeigen die Füsse in unterschiedliche Richtungen. Solche anatomischen Fehler – wie auch der «Wendehals» der CVP – würden durch umsichtige Gen-Planung ausgeschlossen.

Wickis grösster genetischer Nachteil ist gemäss GLP-Fraktionschefin Tiana Angelina Moser sein Geschlecht. China könnte Bundesratsbabys mit androgynem Aussehen ausstatten. Durch geschlechtsneutralen Look würden Männer sich nicht angegriffen und Frauen sich besser vertreten fühlen. Trotz des Eingriffs in die bundesrätliche Erbmasse bekämen die Minister der Zukunft keine asiatische Augenform. Diese stellt sich von selbst ein, weil sie oft beide Augen zudrücken müssen.

Bei einer optimierten Karin Keller-Sutter würde man gern den Haarwuchs nachbessern, der sie zur Frisur der neuen slowenischen Armee-Generalin zwingt. Als die Fraktionen beim Hearing von CVP-Nationalrätin Viola Amherd kein Wort verstehen konnten, fragten sie umgehend nach, ob Bundesräte auch ohne Walliser Dialekt aus dem Reagenzglas kämen.

Die künftige Zauberformel für den Gen-Pool: SP-Eigenschaften (musisch begabt), Charakteristika von CVP und FDP (motorisches Geschick im Krawattenbinden), und ein rechter Schuss SVP (lautes Stimmorgan). Ganz oben auf dem Wunschzettel für die Eigenschaften steht die seit langem verlangte Progression des Sprachzentrums im bundesrätlichen Hirn. Schon damit weniger Fehler in die Abstimmungsbüchlein kommen.

Da Fraktionschef Balthasar Glättli einen Fruktarier verlangt, machen die Gen-Forscher Überstunden, um die üblichen Mangelerscheinungen der Grünen zu neutralisieren. Reduzieren möchten die Rechtsparteien das Empathie-Genom von Simonetta Sommaruga, das Glückshormone ausstösst, wenn man Flüchtlinge aufnimmt. Ganz aus der politischen DNA-Kette entfernt werden soll der Sammeltrieb, der Bundesräte während der Amtszeit VR-Mandate sammeln lässt.

Am Rande äusserten die Wissenschaftler ethische Bedenken. Für übertrieben halten sie, ein Haltbarkeitsdatum zu implantieren, bei dessen Ablauf Sesselkleber von selbst implodieren. Noch keine Einstimmigkeit herrscht darüber, ob Gianni Infantino auch hier die Ethik-Regeln gleich selbst schreiben darf.