Salzmann studiert
Die Last des grossen Gehirns

In seiner Kolumne diskutiert Wissensredaktor Niklaus Salzmann Meldungen aus der Welt der Wissenschaft. Diesmal geht es darum, was den Menschen vom Affen abhebt.

Niklaus Salzmann
Niklaus Salzmann
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Das menschliche Hirn ist viel leistungsfähiger als das der Paviane.

Das menschliche Hirn ist viel leistungsfähiger als das der Paviane.

Bild: Keystone

Was unterscheidet den Menschen vom Affen? Dass wir Hemmungen haben, sang Mani Matter einst. Daneben haben wir aber auch ein grösseres Hirn als unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen. Dieses Hirn braucht viel Energie. Das lohnt sich nur, wenn wir es dank erhöhter Intelligenz schaffen, diesen zusätzlichen Energiebedarf mit Kalorien zu decken – also effizienter Nahrung zu beschaffen.

Der schlaue Steinzeitjäger grub Fallen, statt Beutetieren nachzujagen. Der Nachkomme pflanzte Getreide an, statt die Körner in der Wildnis zu suchen. Und das Millennial-Superhirn konstruierte das Internet und Smartphones, auf denen es mit minimalen Fingerbewegungen Hirsch aus Neuseeland und Mango aus Indien bestellt.

Ein Forschungsteam aus den USA hat die Strategien, mit denen der Mensch Kalorien beschafft, genauer untersucht. Menschenaffen machen es sich einfach: Sie pflücken Früchte vom nächsten Baum. Der Mensch steckt im Vergleich dazu mehr Energie in die Nahrungsbeschaffung, wie das Forschungsteam herausfand. Allerdings holen wir damit auch mehr heraus. Wir beschaffen so erfolgreich Kalorien, dass wir ein Problem mit Fettleibigkeit haben.

Das liegt auch daran, dass wir die Energie für die Nahrungsbeschaffung nicht mehr von den körpereigenen Fettvorräten nehmen, sondern von fossilen Energieträgern. Und um die indirekten Folgen dieses Konsumverhaltens – Klimawandel, Dürren, Hungerkrisen – zu erfassen, sind war dann doch nicht intelligent genug. Mani Matter hatte recht: Was man noch hoffen kann ist alleine, dass wir Hemmungen haben.

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