SALZKORN
Von Affen und Kapitalisten

Die Frage, ob der Kapitalismus naturgegeben ist, bloss weil Affen sein Grundprinzip auch verstehen, bringt unseren Autor ins Grübeln.

Urs Bader
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Illustration: Corinne Bromundt

Auf Bali bestehlen Makaken bei einer Tempelanlage Touristen und tauschen das Diebesgut anschliessend gegen Nahrung wieder ein. Sie haben auch gelernt: Je wertvoller ihr erbeutetes Gut ist, desto mehr können sie dafür fordern. Eine Zeitung, die kürzlich darüber berichtete, wählte dafür den Titel «Kapitalismus der Affen». Das lässt aufhorchen.

Was bedeutet das Verhalten der Javaneraffen denn nun für unseren Kapitalismus? Ist er gewissermassen naturgegeben? Oder sind seine Prinzipien einfach derart primitiv, dass sogar Affen darauf gekommen sind?

Und wer sind unter uns Menschen die Bestohlenen, wer die Profiteure?

Dass Schimpansen es verstehen, Artgenossen mit Nahrungsmitteln zu bestechen, um sich ihrer Loyalität zu versichern, macht die Beantwortung dieser Fragen auch nicht einfacher.

Sicher ist nur, dass die vom Ökonomen Adam Smith propagierte «unsichtbare Hand» des Marktes nie die quasi göttliche Hand war, zu der sie gern stilisiert wird. Dies machen die diebischen Affen augenfällig.

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