Glosse

«Salzkorn»: Mit Maske auf dem See

Die Präventionsmassnahmen gegen dieses Coronavirus nehmen bisweilen groteske Züge an. Manche Mitmenschen scheinen sich sogar vor sich selber schützen zu wollen.

Pascal Hollenstein
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Illustration: Corinne Bromundt

Neulich hegten wir den Wunsch, dem See unseres Vertrauens den einen oder anderen Felchen zu entlocken. Das Wetter war grossartig, das Gewässer spiegelglatt. Der Anker sauste in die Tiefe, die Köder folgten ihm. Es umfing uns die wohlige Ruhe, die nur der Jünger Petri geniessen kann. Die Welt schien perfekt. Bis aus der Ferne ein Ruderboot nahte. Nicht, dass uns Ruderer a priori nervös machten. Aber der Ruderer trug eine Maske. Tatsächlich! Mutterseelenalleine ruderte er in seinem Boot vor sich hin - mit Maske!

Hatten wir etwas verpasst? Hatte irgendein übereifriger Berner Gesundheitsbeamter vor einer Virusübertragung durch Stockenten gewarnt? Oder gab es auf dem See eine andere Virenquelle? Einen hüstelnden Schwan? Wir suchten den Horizont ab: nichts! Offenbar versuchte der arme Ruderer, sich vor einer Ansteckung durch sich selber zu schützen. Oder vor der Einsamkeit? Ein Gedanke, der uns intellektuell ins Rudern brachte.

Felchen fingen wir nicht. Dennoch war es ein interessanter Ausflug.