Salzkorn
Manche mögens klein, Berset denkt gross

Der Gesundheitsminister vermisst Grossveranstaltungen und spricht vielleicht für viele. Aber sicher nicht für alle.

Bettina Kugler
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Illustration: Corinne Bromundt

Alain Berset täuscht sich mal wieder. Das ist nicht neu, sondern eher courant normal unter den Bedingungen einer Pandemie. Deren Auslöser, ein fieses, zudem recht wandlungsfähiges Virus, ist wissenschaftlichen Einschätzungen und politischen Entscheidungen immer ein paar Schritte voraus. Erkenntnisse und Lehren gibt es zeitverzögert.

Anders in diesem Fall: Auf den anbiedernden Satz «Wir alle vermissen Grossveranstaltungen» lässt sich spontan und todsicher sagen: Non, Monsieur Berset, pas du tout. Selbst wenn der Gesundheitsminister nicht gerade an eine Massenveranstaltung wie die Kumbh-Mela-Wallfahrt am Ganges mit zehn Millionen Pilgern gedacht haben mag, sondern an Sportanlässe und Open Airs – keineswegs alle vermissen sie.

Viele mochten sie schon vor Corona nicht, und viele vermissen eher die kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen, die immer noch erschwert sind. Aber vielleicht ähneln Politiker mehr Fussballern und Popstars: Die brauchen eben Massen, lautstarken Applaus und ab und zu ein Bad in der Menge.