Salzkorn
Janoschs Philosophiestunde

90 Jahre und sehr weise: Der Illustrator und Kinderbuchautor Janosch lehrt uns, nichts zu tun und nicht zu fliegen. Kinderleicht ist es nicht.

Bettina Kugler
Merken
Drucken
Teilen

Illustration: Corinne Bromundt

Macht das Alter weise? So hat das «Zeit-Magazin» kürzlich einen Jubilar gefragt, der als Kindskopf mit Stift und Aquarellfarbe berühmt ist: den Zeichner Horst Eckert alias Janosch, unterdessen 90 – ein Methusalem. Der Schöpfer von Bär und Tiger (und nicht zu vergessen der Tigerente auf Rädern), die ausschwärmen nach Panama und das Paradies schliesslich auf dem heimischen Sofa finden, ist weise genug, stellvertretend seine Figur Wondrak antworten zu lassen. Dieser hält es mit Sokrates, und auch die unter 90-Jährigen tun derzeit gut daran, sich ihres Nichtwissens bewusst zu werden.

Etwa wenn es um die Frage geht, ob man bald wieder nach Teneriffa fliegen kann, wo Janosch seit langem lebt und manchmal arbeitet. Soll man überhaupt wieder fliegen? Wondrak findet: Nur, wenn man es selbst kann. Dann stören nicht so viele auf Teneriffa. Was aber soll man sonst tun? Nichts – also das Schwerste überhaupt: «Man muss das Nichtstun ein ganzes Leben lang üben.» Wie wahr! Wir sind bereits nach einem Jahr völlig erschöpft davon.