Salzkorn

Es waren zwei sehr ungleiche Theologieprofessoren, die in den 1960er-Jahren in Tübingen unterrichteten. Der Bibelwissenschafter Herbert Haag stammte aus der Schweiz, der Dogmatiker Joseph Ratzinger aus Bayern.

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Es waren zwei sehr ungleiche Theologieprofessoren, die in den 1960er-Jahren in Tübingen unterrichteten. Der Bibelwissenschafter Herbert Haag stammte aus der Schweiz, der Dogmatiker Joseph Ratzinger aus Bayern. Ratzinger schraubte sich denkerisch immer weiter in die barocke Vielfalt des kirchlichen Lehrgebäudes hinauf. Unter seiner Federführung wuchs der katholische Katechismus auf achthundert, das Kirchenrecht auf tausend Seiten an, Meilensteine, die ihn zur Wahl als Papst empfahlen.

Haag hingegen vertiefte sich in den Ursprung der Kirche; zeigte, dass die Jüngerschaft Jesu keines der heutigen Probleme kannte: keine Minderstellung der Frauen, keinen Pflichtzölibat, keine von den Laien abgehobenen Priester.

Um dies immer wieder in Erinnerung zu rufen, stiftete Haag den «Preis für Freiheit in der Kirche». Gestern wurde er in Luzern zum 25. Mal vergeben. Seine Botschaft: Hätte die Kirche eine bessere Verfassung, wäre sie heute in besserer Verfassung. J. O.

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