Salzkorn

Die Summe aller menschlichen Laster bleibt gleich. Das gilt nicht nur für den Ersatz der Zigarette durch Süssigkeiten, sondern anscheinend auch für den Gefühlshaushalt. Psychologen nennen diese geläufige Selbsterfahrung «moralischen Ausgleich» oder «kompensatorische Ethik».

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Die Summe aller menschlichen Laster bleibt gleich. Das gilt nicht nur für den Ersatz der Zigarette durch Süssigkeiten, sondern anscheinend auch für den Gefühlshaushalt. Psychologen nennen diese geläufige Selbsterfahrung «moralischen Ausgleich» oder «kompensatorische Ethik». Und eine neue Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift «Psychological Science», zeigt nun, dass auch ökologisches Verhalten diesem Mechanismus folgt: Es führt zu Defiziten in anderen Bereichen.

Wer sich nämlich gut fühle, etwa weil er gerade biologische Milchprodukte gekauft habe, fühle sich auch zu «egoistischem und moralisch fragwürdigem Verhalten berechtigt». Das Experiment der kanadischen Forscher ergab, dass grüne Konsumenten im Vergleich zu konventionellen dazu neigten, zu anderen Menschen weniger freundlich zu sein, und sogar versuchten, «zu betrügen und zu stehlen».

Das Fazit der Autoren der Studie: «Grüne Produkte machen noch lange keine besseren Menschen.» Das wäre denn auch ein wenig zu viel verlangt. E. B.