Salzkorn

«Afghanistaaan!», ruft der Erstklässler wie einen Schlachtruf und zielt mit einem Stock als fiktives Gewehr auf seine Gspänli. Diese schiessen zwar mangels Waffe nicht zurück, machen aber gute Miene zum Spiel und gehen in Deckung.

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«Afghanistaaan!», ruft der Erstklässler wie einen Schlachtruf und zielt mit einem Stock als fiktives Gewehr auf seine Gspänli. Diese schiessen zwar mangels Waffe nicht zurück, machen aber gute Miene zum Spiel und gehen in Deckung. Auf dem Heimweg von der Schule spielen die Buben kurz noch ein wenig Krieg, bevor sie sich hungrig an den Mittagstisch setzen.

Noch haben die Buben nicht gelernt, wo Afghanistan liegt, um was es in dem fernen Land eigentlich geht. Aber «Afghanistan» steht für Krieg und Gewalt, gibt den Namen zum neuen Spiel zwischen den Bösen und Guten. Jagten einst die Gendarmen die Räuber oder wurden Cowboys von Indianern an den Marterpfahl gebunden – so schiessen heute gute Soldaten auf die bösen Taliban.

Dieser weit entfernte und fremde Krieg, der uns nicht zu betreffen scheint – und Erstklässler schon gar nicht –, kommt täglich in unsere Stuben. Was nützt es da, Killergames zu verbieten? Die Realität Afghanistan, Irak oder Darfur ist überall. E. B.

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