Glosse

Salzkorn

«Unsere Trudy» will St. Galler Stadträtin werden. Das passt zu einer Partei, die das C bald aus dem Namen streicht.

Jürg Ackermann
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Die CVP macht auf Gemeinschaftsgefühl und Nähe. Im vergangenen Jahr lächelte «Dä Beni» von den Ständeratswahlplakaten. Mit Erfolg: Regierungsrat Würth schaffte den Sprung nach Bern gleich mehrfach.

Das gleiche Muster wiederholt sich jetzt mit der St. Galler Stadtratskandidatin Trudy Cozzio. «Unsere Mitgestalterin», «unsere Brückenbauerin», wo man hinschaut. Aber was, wenn das gar nicht «meine Trudy» ist? Wenn ich die Brücken von anderen Politikern bauen lassen will? Fühle ich mich dann diskriminiert, von der Gemeinschaft gar ausgeschlossen?

Psychologen haben nun eine Erklärung gefunden für die kollektiven Umarmungsversuche der Partei, die sich bekanntlich bald in die «Die Mitte» verwandelt und mit dem Christentum im Namen nichts mehr zu tun haben will. Es handelt sich hier um eine klassische vorweggenommene Kompensationshandlung. Wird der Kontakt zu «Unserem Vater» (im Himmel) loser, füllen irdische Gestalten wie «Unser Beni» oder «Unsere Trudy» die entstandene Lücke.