Glosse

Salzkorn

An sogenannten «Gender-Reveal-Partys» wird einem die grosse Enthüllung versprochen und am Schluss steht man doch mit Fragezeichen da.

Linda Müntener
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Dafür, dass wir uns langsam, aber sicher von den traditionellen Rollenbildern «Mann» und «Frau» lösen wollen, wird um das primäre Geschlechtsteil ziemlich viel Theater gemacht. Schon vor der Geburt. «Gender-Re­veal-Party», zu Deutsch «Geschlechtsenthüllungsfeier» heisst der Trend, der aus den USA rüberschwappt. Die werdenden Eltern, Familie und Freunde kommen zusammen und irgendwann wird ein Ballon zerplatzt, aus dem entweder blaue oder rosa Konfetti rieseln. Alternativ wird eine Torte angeschnitten mit – Sie ahnen es – blauer oder rosa Füllung. Die Smartphones halten drauf, und bald wissen auch die Freundesfreunde, ob das Baby Penis oder Vagina zwischen den Beinchen hat. «It’s a boy!» Mama und Papa brechen in Jubel aus, während das Ungeborene nicht ahnt, dass es mit der hellblauen Buttercreme schon den ersten stereotypen Stempel aufgedrückt bekommt.

Das Spannendste wird bei dem Spektakel indes nicht enthüllt: Wie, um Himmels willen, kannte der Bäcker das Geschlecht vor den Eltern?