Salzkorn

Vom Blick in fremde Bratpfannen und Kleiderschränke.

Thorsten Fischer
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Im Tessin hat ein Ehepaar nicht schlecht gestaunt. Plötzlich stand ein Tourist in der eigenen Küche – weil es so besonders duftete. Ob der ungebetene Gast gleich noch die Kochtöpfe inspizierte, ist nicht bekannt. Verwunderlich wäre das nicht. Auch in der Kulinarik ist schliesslich das Zeitalter der Transparenz angebrochen. Die Grossen der Kochzunft lassen sich ungeniert auf allen Fernsehkanälen in die Pfannen blicken. Oder man denke an all die Menus, die von Restaurantgästen als Foto im Internet verewigt werden. Geheim bleibt da wohl wirklich nur noch die Appenzeller Kräutersulz.

Im Internet folgt schon der nächste Trend. Besitzer einer Wäscherei in Taiwan machen mit einer Modeschau Furore. Sie tragen nicht die eigenen Kleider, sondern Wäsche, die ihre Kunden vergessen haben. Unterhaltsam, aber eigentlich harmlos. Fortgeschrittene stöbern lieber gleich vor Ort in fremden Kleiderschränken. Wer erwischt wird, kontert einfach mit der Frage, die in der heutigen Zeit als besonders chic gilt: «Sie haben doch nichts zu verbergen, oder?»