Glosse

Salzkorn

Deutsche Touristen geniessen auf Mallorca in Coronazeiten Vorzugsbehandlung. Wieso das kein Grund zur Sorge ist.

Linda Müntener
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Bewegende Bilder erreichen uns aus dem Süden. Ein Dutzend deutscher Pauschaltouristen steigt auf Mallorca aus einem Reisebus. Schutzmaskiert schreiten sie die Hoteltreppe empor. Die Rezeptionisten, die unlängst den Pflegerinnen im Spital applaudierten, beklatschen jetzt die Ankömmlinge. «Geschafft!», ruft ein Mann mit Sonnenhut. Szenen wie beim Mauerfall.

Während Spanien seine Grenzen für ausländische Touristen eigentlich noch geschlossen hält, geniessen Deutsche an der Playa de Palma freilich Vorzugsbehandlung. «Malle» gilt als inoffizielles 17. Bundesland, den Deal hat ein deutscher Reisekonzern mit der balearischen Regierung ausgehandelt. So landen nun die ersten 400 Deutschen auf der Insel. Im Rest Spaniens beäugt man dies skeptisch und fürchtet, Mallorca könnte zum Ischgl des Südens keimen. Corona ist nur einmal im Jahr, scha-la-la-la-la.

Dabei haben die Deutschen die Massnahmen längst verinnerlicht. Fürs erfolgreiche Contact-Tracing markieren sie ihren Liegeplatz am Pool frühestmöglich mit einem Badetuch.