Salzkorn

Das Corona-Virus bringt auch bei der Sprache so einiges durcheinander. Warum sprechen wir eigentlich ständig vom «Lockdown»?

Pascal Hollenstein
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Wissenschaftliche Forschungen liegen nicht vor, doch der Verdacht nahe: Dieses Coronavirus bringt offenbar die Synapsen im Sprachzentrum des Gehirns durcheinander. So werden die Massnahmen des Bundes neuerdings in Funk und Fernsehen sowie in allerhand Zeitungen kurzerhand als «Lockdown» bezeichnet. «Lockdown» - das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Der Begriff beschreibt eigentlich die Einschliessung von Strafgefangenen in ihren Zellen zur Niederschlagung eines Gefängnisaufstandes. Ja, hocken wir denn jetzt alle im Kittchen?

Als wäre das nicht drastisch genug, sprach man am parastaatlichen Rundfunk am Montag mit grosser Selbstverständlichkeit von der «Ausgangssperre» in der Schweiz. Hallo, Kollegen? Übertreiben wir da nicht ein Bisschen? Aber gut, man weiss sich der neuen Corona-Sprache anzupassen. «In Isolationshaft, Marsch!», bellte ich einen meiner Sprösslinge unlängst an. «Geh auf Dein Zimmer, bitte!» ist kein adäquater Corona-Sprech.