Glosse

Salzkorn

Auch wenn sich das Ende des Lockdowns abzeichnet, die Gedanken kreisen noch immer fast ausschliesslich um Corona.

Katja Fischer
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Ich würde gerne über etwas anderes reden, über etwas anderes schreiben, aber es geht nicht. Das Virus ist überall, längst auch in meinem Kopf. Ich bringe es da nicht mehr raus.

Ist auch schwierig, wenn sonst nicht mehr viel passiert. Alles, die Arbeit, die Ferien, die Schule sind davon abhängig. Und sowieso, was für einen Wochentag haben wir heute? Die wievielte Woche Lockdown ist das schon? Gab es gestern schon Spaghetti? Alles wird gleichförmig, nur die Ansteckungskurve flacht ab. Zum Glück.

Selbst wenn man die normalen Dinge tut, ist man in den Gedanken fast immer bei der einen Sache: Ich jogge, aber ich jogge ja nur, weil ich nichts anderes tun kann und gesund bleiben will. Ich spüle das Gemüse besonders heiss ab, weil ich das Virus ganz sicher runter waschen will. Ich gehe in den Wald spazieren und achte auf die Abstände, das Gleiche tue ich im Laden. Ich sage, bleibt gesund, statt auf wiedersehen.

Vielleicht ist das Virus gar nicht mehr überall, aber es wird noch lange dauern bis ich es aus dem Kopf bringe.