Glosse
Salzkorn

Stubenhocker sind in Corona-Zeiten die Guten. Die da draussen werden misstrauisch beäugt.

Bettina Kugler
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Illustration: Corinne Bromundt

Wie schnell sich die Ansichten doch ändern können! Bis vor kurzem war «Stubenhocker» eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Zeitgenossen, die nicht vom Sofa hochkommen, Angst vor frischer Luft und neuen Eindrücken haben und überhaupt eher unbeweglich sind. Nicht nur körperlich, auch mental. Selbst, wenn sie in der Stube am Tisch sassen und über Sätze wie jenen des Philosophen Blaise Pascal nachdachten: Es sei die Quelle menschlichen Unglücks, dass er es nicht ruhig in einem Zimmer aushalten kann. Immer hinaus, immer Action, Zerstreuung, Events!

Auch Kinder, fand man vor Corona, sollten draussen spielen und toben, nicht dauernd da fläzen, wo die Steckdosen sind. Das ist jetzt anders. Manch einer runzelt die Stirn, wenn er vom Balkon aus Nachbarskinder lautstark in Kontaktsportarten verknäult sieht. Dürfen die das? Alles eine Frage der Umstände. Wer jetzt in der Stube hockt, fleissig am Bildschirm, gehört zu den Guten. Kein Wunder, dass wir uns fast schon ertappt fühlen vor der Haustür. Und kaum mehr flüchtig grüssen.