Kolumne

Salzkorn

Es ist Bärlauchsaison. Weshalb Social Distancing gerade jetzt besonders wertvoll ist.

Pascal Hollenstein
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Der Frühling ist traditionell die kulinarisch ärmlichste Zeit des Jahres. Die herrlichen Schlachtplatten des Herbstes sind nur noch Erinnerung, frisches Gemüse erst eine Vorahnung.

Gewiss, in Zeiten moderner Lebensmittelversorgung mit internationalen Liefer- und Kühlketten ist das Problem überblickbar geworden. Niemand krankt dieser Tage mangels frischen Grüns an Skorbut, niemand ist gezwungen, Schimmliges aus dem Vorratskeller zu löffeln.

Umso befremdlicher ist der menschliche Drang, in den hiesigen Wäldern Bärlauch zu sammeln und ihn von der Bratwurst bis zu den Spätzli praktisch allen Speisen beizumengen. Bärlauch, es sei hier unmissverständlich festgehalten, ist ein bodendeckendes Unkraut, das in der Küche nichts verloren hat, zumal die von ihm hervorgerufenen menschlichen Ausdünstungen einer olfaktorischen Massenvernichtungswaffe gleichkommen.

Das bundesrätlich verordnete Social Distancing hat uns diesbezüglich Erleichterung verschafft. Man kann diesem Virus auch einmal dankbar sein.