Glosse

Salzkorn

Kantonsräte sind Volksvertreter. Doch der Begriff relativiert sich mit Blick auf die desolate Stimmbeteiligung sehr. 

Jürg Ackermann
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«Mega cool, lässig!» So freute sich Susanne Hartmann über ihre Wahl in den Regierungsrat. Die CVP-Frau war nicht allein: Reihenweise bedankten sich am Sonntag Politiker für die «grosse Unterstützung aus der Bevölkerung». Aber was war denn daran schon gross? Hartmann beispielsweise genügten 57 464 Stimmen für den Sprung in die Pfalz. Das sind 18,34 Prozent der Wahlberechtigten und gerade einmal elf Prozent aller Menschen im Kanton.

Im Kantonsrat ist das Verhältnis noch krasser. Weil man Kandidierende zwei Mal auf einen Wahlzettel schreiben durfte, waren in gewissen Regionen theoretisch weniger als 1000 Personen nötig, um jemanden ins Parlament zu hieven. Dort gestalten die Gewählten nun Gesetze mit, die für alle St. Gallerinnen und St. Galler gelten.

Natürlich kann man sagen: Wer nicht wählen geht, ist selber schuld. Die Bezeichnung Volksvertreter erhält angesichts dieser desolaten Stimmbeteiligung jedoch eine ganz neue Bedeutung. «Abgeordnete kleinster Minderheiten» wäre da schon treffender.