Glosse

Salzkorn

Gästinnen und Schurkinnen: Warum die Sprache nicht alles mit sich machen lässt. 

Odilia Hiller
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Illustration: Corinne Bromundt

«Nachdem Meghan und Harry als Gästinnen und Rednerinnen bei einer Preisverleihung anwesend waren, stattete Meghan am Freitag einer Londoner Schule überraschend einen Besuch ab.» Was ist in diese Journalisten gefahren? Ganz einfach: Gestern Montag war bei einer Pendlerzeitung das Gendermonster zu Besuch. Zum Internationalen Tag der Frau hat die Redaktion alle Pluralformen, die sich auf Personen beziehen, mit der weiblichen Form geschmückt. Dazu stellen die Macher die interessante Frage: «Ist es ein Problem, wenn ein Geschlecht einfach mitgemeint ist?»

Im O-Ton ergibt das: «Im Internet wimmelt es von Online-Schurkinnen.» Oder: «Der Bundesrat rät, dass Pendlerinnen wegen des Corona-Virus Stosszeiten meiden.» Das Experiment müsste auch die letzten Zweiflerinnen davon überzeugen, dass die Grammatik sich eher nicht dazu eignet, politische Forderungen durchzusetzen. Oder, wie der Philosoph Ludwig Wittgenstein es formuliert: «Nur dadurch kann der Satz wahr oder falsch sein, indem er ein Bild der Wirklichkeit ist.»