Glosse

Salzkorn

Wohär bisch? - Keine so harmlose Frage mehr.

Gottlieb F. Höpli
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Schweizer Männer eines gewissen Alters verfügen über eine besondere Fähigkeit: Sie können unzählige Dialekte auseinanderhalten. Nicht nur zwischen Walliser- und Thurgauertütsch unterscheiden – das kann schliesslich jeder TV-Zuschauer, der je Mona Vetsch oder den Salzgeber gehört hat. Nein, er kann auch Ober- und Hinterthurgauer, Altstätter und Sarganserländer, Brienzer und Seeländer Dialekt unterscheiden. Meistens vom Militär. Weil man dort, wie überall, sogleich fragt: Wohär bisch?

Nun ist auch diese harmlose Frage ins Visier der politisch Korrekten geraten: Anders aussehende Zeitgenossen (und erst recht -genossinnen) können sich von der Frage nach der Herkunft ausgegrenzt, ja diskriminiert fühlen. Zum Beispiel, wenn sie ein Kopftuch tragen. Drum besser auch den Taxichauffeur nicht mehr fragen, obwohl der bisher ganz gerne Auskunft gab. Am sichersten ist es, wenn Sie sich nur noch bei Menschen nach deren Herkunft erkundigen, von denen Sie es eh schon wissen. G.F.H.