Glosse

Salzkorn

Wenn das Amen in der Kirche nicht mehr sicher ist.

Bettina Kugler
Hören
Drucken
Teilen

Noch zögern die Bischöfe in der Deutschschweiz. Soll man inskünftig Gott nichts Böses unterstellen und das Gebet des Herrn – immerhin eines, das Katholiken und Reformierte einmütig im Glauben verbindet – entsprechend ummodeln? Aus dem gern auch mal bei profaneren Gelegenheiten zitierten «Führe uns nicht in Versuchung» ein «Überlasse uns nicht der Versuchung» machen, wie es in Frankreich, der Romandie und neuerdings auch in Italien praktiziert wird? Den Anstoss dazu gab 2017 kein Geringerer als Papst Franziskus. Es handle sich um eine schlechte Übersetzung; Gott sei schliesslich ein guter Vater und kein Schlingel.

Doch wie soll man das vermitteln? Der Mensch, zumal der katholische, ist ein Gewohnheitstier und darauf eingestellt, dass sich, wenn überhaupt, nur langsam Dinge wandeln. Kann er einfach abwerfen, was er seit Kindertagen in diesem Wortlaut betet? Übung macht bekanntlich den Meister. Es dürfte wohl eher die Weihnachtschristen ärgern, wenn das Amen in der Kirche nicht mehr sicher ist. bk.