Glosse

Salzkorn

Was es mit funktionalen Analphabeten auf sich hat. 

Gottlieb F. Höpli
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Etwa 15 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben zwar gelernt, Buchstaben und Zahlen zu erkennen und sogar einzelne Wörter zu buchstabieren. Trotzdem wären sie nicht in der Lage, den ersten Satz dieser Kolumne zu verstehen – und das ist für einmal nicht die Schuld des Kolumnisten. Denn trotz absolviertem Schulbesuch gehört jeder fünfte bis sechste Europäer zu den sogenannten funktionalen Analphabeten.

Solche Daten werden erst richtig spannend, wenn man sie mit anderen Statistiken vergleicht, also beispielsweise die Quote der funktionalen Analphabeten mit der Maturitätsquote. In Finnland, wo die auch hierzulande propagierte Matur für alle schon fast Wirklichkeit geworden ist, hätten demnach rund zehn Prozent junger Leute Hochschulzugang, die Gelesenes nicht verstehen. Anderswo in Europa gilt: Alle, die einigermassen lesen und schreiben können, dürfen an die Uni. Noch sind wir in der Schweiz nicht ganz so weit. Aber unsere Bildungsexperten arbeiten daran. G.F.H.