Glosse

Salzkorn

Im Internetzeitalter geht fast alles: In Japan kann man jetzt Papas, Omas oder Freunde mieten - auf Zeit und gegen eine Gebühr.

Jürg Ackermann
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In Japan passieren zuweilen seltsame Dinge. Der neueste Trend: Zwischen Tokio und Osaka gibt es immer mehr Agenturen, die sich auf den Verleih von Verwandten spezialisiert haben, wie die «Süddeutsche» berichtete.

Wie das geht? Wenn eine Singlemutter keinen Mann zur Stelle hat, engagiert sie – je nach Wunsch – für einen Tag oder mehrere Monate einen Ersatzvater für ihre Kinder. Oder wenn der ewige Junggeselle endlich die Erwartungen seiner Familie erfüllen will, inszeniert er eine Vermählung mit einer geliehenen Braut. Marktleader ist die Firma Family Romance.

Die Entwicklung ist nur logisch. Denn nach dem Auto-, dem Velo- und dem Skiverleih war es an der Zeit, dass nun auch Omas oder Papas für ein paar Stunden oder Wochen gemietet werden können. Das hat viele Vorteile. Wer sie nicht mehr braucht, kann sie – ohne Gebühr oder Aufpreis – bequem per Knopfdruck wieder zurückgeben. Schliesslich sind im Internetzeitalter alle Optionen offen, wer will sich da schon festlegen.
Herzlich willkommen in der Familienromantik des 21. Jahrhunderts.