Glosse

Salzkorn

Eine verblüffende Nachricht: Die Thurgauer Kantonalbank schafft alle Ränge ab. 

Gottlieb F. Höpli
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Die Thurgauer verblüffen ihre Miteidgenossen manchmal mit unerwartet radikalen Lösungen, die ganz im Gegensatz stehen zu den sanften Tälern und Höh’n, die ihre Hymne besingt. Unvergessen der Ortsnamenstreit, als man Orts- und Flurnamen auf eine so drastische Weise vermundartisierte (Roopel statt Rotbühl etwa), dass deren Bewohner selber sich auf der Karte nicht mehr zurechtfanden. Bis die Regierung zum kartographischen Rückzug blasen musste.

Zum Jahresbeginn verblüfft uns die Thurgauer Kantonalbank mit der Nachricht, in ihrem Institut seien alle Ränge abgeschafft, und sämtliche Mitarbeitende seien gehalten, sich zu duzen. Basisdemokratie in Reinkultur. Da tauchen natürlich Fragen auf: Werden jetzt auch die Kunden geduzt? Und kann man den Hypothekenvertrag nun auch beim Heiri verlängern, der vor der ländlichen Filiale den Rasen sprengt? Oder bei der netten Empfangsdame? Oder ist es eher so, dass das Potemkinsche Dorf neuerdings auf der Thurgauerkarte zu finden ist? G.F.H.