Glosse

Salzkorn

Die CVP schämt sich für das C in ihrem Namen.

Bettina Kugler 
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Wir leben in schamhaften Zeiten. Mögen weltpolitisch böse Buben das Sagen haben – privat traut sich der mitdenkende Bürger kaum etwas. Zum Rauchen geht er an die frische Luft. Wurst ist tabu. Eier und Milch sind auch nicht mehr so harmlos, wie sie mal waren, und die «Flugscham» folgt als Wort des Jahres gleich auf «Klimajugend». Alles okay. Motzt hier etwa ein «Boomer» und kapiert wieder mal rein gar nichts?

Die neueste Schamwelle hat kurz vor Weihnachten eine Partei erfasst, die als traditionell katholische mit Schuldgefühlen vertraut sein müsste. Genau das ist ihr Problem: die CVP schämt sich für das C in ihrem Namen, weil das gemeinhin als K gelesen werde: K wie (womöglich «erz-)katholisch» und wie «Kirchgänger». Damit möchte man unter keinen Umständen in Verbindung gebracht werden. Derweil strömten weniger Schamhafte in Massen zu den Festtagsgottesdiensten. Die zu Hause gebliebenen CVP-Politiker wären dort sicher kaum aufgefallen. Reservierte Plätze hätten sie aber nicht bekommen. Unverschämt, oder? bk.