Glosse
Salzkorn

Wieder dröhnt Weihnachtsmusik aus Kaufhäusern und Restaurants an unser Ohr...

Gottlieb F. Höpli
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«Musik wird oft nicht schön gefunden / weil sie stets mit Geräusch verbunden»: So dichtete Wilhelm Busch im Jahre 1874. Dabei gab es damals noch nicht einmal die – in der Bibel zu Unrecht nicht erwähnte elfte – Plage der Hintergrundmusik, die uns vor dem Weihnachtsfest angeblich auf die Geburt des Christkinds im Stall von Bethlehem vorbereiten soll. Darum hat der Volksmund ja inzwischen das «nicht schön» im Zitat durch das entschiedenere «störend» ersetzt. Wie wahr.

Denn wie anders kann der Mensch auf das andächtig stille nächtliche Geschehen vorbereitet werden als durch sein Gegenteil: durch möglichst viel Lärm, der uns danach die Stille umso intensiver erleben lässt? Dass das dialektische Modell leider nicht den erwünschten Effekt erzielt, ist wohl einfach noch nicht bis zu den Kaufhaus- und Restaurantbetreibern vorgedrungen. Vielleicht hilft ihnen ein anderes Busch-Zitat auf die Sprünge: «Musik ist angenehm zu hören, doch ewig braucht sie nicht zu währen.» G.F.H.

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