Glosse
Salzkorn

Überalterung - und andere Wortbildungen mit "über"

Gottlieb F. Höpli
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Zwei Dinge sind so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn in Bern wieder einmal neue Studien zur Demographie vorgestellt werden: Erstens die Tatsache, dass wir immer älter werden (und damit fast logischerweise auch mehr). Und zweitens hören und lesen wir in den Medien danach mit Sicherheit das böse Wort von der «Überalterung». Ein Wort von unterschwelliger lebensfeindlicher Aggression, das in jeder Redaktion auf den Index gehört.

Wortbildungen, die mit «über» beginnen, meinen ja stets: über das normale Mass hinaus. Also zu viel, schädlich – und demzufolge zu bekämpfen. Mit «Massnahmen», wie es in der Politik heisst. Ganz gleich, ob wir uns überfressen oder überschulden, ob wir überfremdet oder überflutet werden: Da wird offensichtlich übertrieben. Das muss aufhören. Also auch die Unsitte, immer weiter zu altern. Man muss darum nicht überspannt sein, um das böse Wort von der Überalterung für überflüssig zu halten. Etwas Sprachgefühl reichte durchaus. G.F.H.