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Glosse

Salzkorn

Es gibt ein Leben zwischen den Extremen - auch wenn es heute nicht so scheint.
Thorsten Fischer

Grelle Botschaften, schrille Aktionen, provokative Plakate. Auffallen um jeden Preis ist in der heutigen Gesellschaft angesagt. Etwas muss übertrieben und krass daherkommen. Schliesslich soll es
unsere Aufmerksamkeit im reizüberfluteten Alltag erheischen.

Zugleich wird der Eindruck verstärkt, das Leben sei nur noch an
Extrempositionen möglich. Der Blick für das, was dazwischen liegt, geht zusehends verloren. Alles, was sich in der Mitte befindet, gilt zwangsläufig als wenig chic, langweilig oder sogar verpönt.
Natürlich erscheint es spannender, mit viel Lärm auf seiner Position und
auf Maximalforderungen zu beharren. Bequem ist es auch. Mit Gegenstimmen braucht man sich nicht auseinanderzusetzen – weil man sie schlicht nicht hört.

Auf Dauer ist dieser Ansatz aber kräfteraubend. Dann könnte es sich in
einer ruhigen Minute lohnen, auf das weite Feld zwischen den Extrempositionen zu schauen. Womöglich hat es ja Interessantes zu bieten. Vielleicht sogar Lösungen für das eine oder andere Problem unserer Zeit.

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