Glosse

Salzkorn

Die Formen von Demonstrationen werden laufend dramatischer.

Gottlieb F. Höpli
Drucken
Teilen

Es gibt Wochentage, die eignen sich besser für regelmässige Demonstrationen als andere. Das wussten schon die Montagsdemonstranten, die 1989 entscheidend zum Zusammenbruch der DDR beitrugen. Das wissen auch die Demonstranten, die am letzten Schultag der Woche ihren (unterschiedlich hohen) Bildungsstand zum Thema «Klima» auf die Strasse tragen. Dass das Wort «Freitag» von «frei» herrührt, ist aber nur ein Gerücht.

Jedenfalls erfahren wir wöchentlich aus allen Medien, dass es auf unserer Erde klimamässig «kurz vor zwölf» ist. Für andere ist es, präziser, schon «fünf Minuten vor zwölf». Klimapessimisten verkünden gar, es sei bereits nach zwölf, und die Welt vermutlich bereits verloren.

Die Demonstrationsformen werden laufend dramatischer: Da werden öffentlich Henkerszenen nachgestellt (in St.Gallen) und Flüsse giftiggrün eingefärbt (in Zürich). Steigerungsmöglichkeiten gibt es immer. Schliesslich ist es kurz vor dem 20. Oktober. Dann sind Wahlen. G.F.H.