Glosse
Salzkorn

Einmal kommt immer das Ende - auch für die Endlosserie "Lindenstrasse".

Bruno Scheible
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Sind wir tatsächlich so langweilig, so säuerlich moralisch, so einfältig und freudlos? Und selbst wenn wir so wären, müssen wir dabei auch noch zuschauen? Viele tun das, immer sonntags vor dem Bildschirm in der «Lindenstrasse»: Das sind bis heute 1696 Folgen in 34 Jahren.

Unglück und Untreue, Krankheit und Tod, Geldnot und Arbeitslosigkeit: Im «Café Bayer» oder bei «Zenkers» am Küchentisch versammeln sich selten fröhlich-unbesorgte Menschen. Es gibt im Fernsehen kaum etwas Faderes als die «Lindenstrasse». Die Serie ist wie das Leben selbst. Macht das ihren Charme aus?

2020 ist nun aber Schluss mit der ersten deutschen Seifenoper, die ARD setzt sie ab. «Helga Beimer» (Marie-Luise Marjan) will nicht aufgeben und hofft auf Proteste der Fans. Treue Zuschauer und Schauspieler der ersten Stunden sind gemeinsam gealtert. Das verbindet. «Mutter Beimer» würde es laut Drehbuch wohl so sagen: «Warum kann denn die Zukunft nicht bleiben, wie sie war?»B.S.