Glosse

Salzkorn

Der Nationalrat hat die zehntägige Bedenkfrist vor der Eheschliessung eliminiert. Zu viele Heiratswillige hatten innerhalb dieser Zeit das Interesse am Partner verloren.

Odilia Hiller
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(Illustration: Corinne Bromundt)

(Illustration: Corinne Bromundt)

Man muss die Leute unbedingt wieder mehr zum Heiraten bringen, hat sich der Nationalrat gesagt. Und zwar möglichst sofort, nachdem ihnen der Gedanke daran durch den Kopf geschossen ist. Verliebt, verlobt, verheiratet! Im Zeitalter von Tinder muss man die Eisen schmieden, solange sie heiss sind. Sonst winkt schon die nächste Beziehung am Horizont, kaum hat man sich kennen gelernt. Eine Ehe ist da ein wunderbares Mittel zur Beruhigung der Lage. Sie schafft Tatsachen in Zeiten, wo alle nicht mehr so recht wissen, was sie eigentlich wollen.

Also eliminierte der Nationalrat schwupps die zehntägige Bedenkfrist zwischen Ehevorbereitungsverfahren und Eheschliessung. Zu viele Heiratswillige hatten innerhalb dieser zehn Tage das Interesse am Partner verloren und sich zurück in den Markt geswipt. Beschleunigte Verfahren für beschleunigte Zeiten. Vergessen ging dabei ein bisschen, dass die Ehe das entschleunigste Verfahren überhaupt ist: Sie dauert bis zum Tod. Plus zehn Tage.