Glosse
Salzkorn

Thomas Hürlimanns Aussagen zur Toleranz erregt die Gemüter.

Gottlieb F. Höpli
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Selten hat eine 1.-August-­Rede so viel Aufregung verursacht wie jene des Schriftstellers Thomas Hürlimann. Erst recht eine nichtgehaltene. Die «Schweiz am Wochenende» druckte die Rede des Erkrankten ab, in der dieser gegen «Political Correctness» und «Toleranzapostel» wetterte. Damit zog er einen mittleren Shitstorm auf sich. Im «Tages-Anzeiger» attestierte ihm der Psychoanalytiker Peter Schneider Verfolgungswahn, attestierte ihm also eine Geisteskrankheit (woher kennt man das?). Im Internet wurde Hürlimann dringend empfohlen, doch besser nichts mehr zu publi­zieren.

Wenn Künstler den Hitlergruss ausführen, Künstlerinnen den Busen blankziehen, dann ist das Feuilleton in der Regel tolerant. Denn damit soll ja zum Nachdenken angeregt werden. Wenn ein Schriftsteller polemisch behauptet, Toleranz sei feige, dann scheint es angezeigter, derlei Provokationen dem Volk nicht zuzumuten. Wäre ja noch schöner, wenn Toleranz für alle gälte!G. F. H.