Kolumne

Feldpost: Soldatin Zgraggen plagen Ängste zum Abschied

Von der Rekrutin zur Unteroffiziersanwärterin - Chiara Zgraggen blickt in ihrer letzten Feldpost-Kolumne auf die RS zurück. Und sie verrät, was sie in der Unteroffizierschule alles erwartet.

Chiara Zgraggen
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«Weitermachen». Der wohl grösste Schreck für Soldaten, die ungern nach der RS die Unteroffiziersschule und dann noch einmal eine RS durchleben möchten. Auch in meiner RS sehnten wir uns nach Gewissheit. Wochenlang sind wir im Unklaren gelassen worden, wer gezwungen werden soll und wer davonkommt. «Sie müssen auf jeden Fall weitermachen», scherzten Gruppen- wie Zugführer mit so manchem von uns. Und das bereits seit Wochen.

Ein paar wenige nahmen dies mit Humor, wieder andere versetzte es in Kummer. Einige von uns hatten sich schon damit abgefunden, wieder andere hatten einen Ausweg gesucht. Auch bei mir hiess es schon früh, dass ich weitermachen müsse. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Zugführer in der ersten RS-Woche. Ich betonte, nicht weitermachen zu wollen. Daraufhin entgegnete er, dass er mich schon noch dazu bringen würde. Ich begann also, mich intensiv mit der drohenden Situation auseinanderzusetzen. Was sind die Vorteile und Nachteile, die daraus resultieren würden? Und was bedeutet «weitermachen» überhaupt konkret?

Die Gedanken von damals sind egal – ich bin nun Unteroffiziersanwärterin und habe bereits zwei Wochen Kurs hinter mir. Am meisten Sorgen bereitet mir die künftige Stellensuche. Es ist nicht zu leugnen, dass die Schweizer Armee nicht mehr denselben gesellschaftlichen Wert aufweist, wie dies vor 30 Jahren der Fall war. Ich nehme an, dass viele potenzielle Arbeitgeber schon so wenig vom Militär halten. Ob sie dann noch eine Frau einstellen werden, welche die RS freiwillig gemacht hat und jedes Jahr nicht nur drei, sondern wegen dem höheren Grad gar vier Wochen in den WK muss?

Diese Frage lässt sich im Moment leider kaum beantworten. Deshalb rede ich mir ein, dass ein künftiger Arbeitgeber auch den Vorteil meiner Armeeerfahrungen sehen wird. Etwas anderes bleibt so oder so kaum übrig. Im Moment macht mir ohnehin anderes Sorgen. Mit der Unteroffiziersschule warten neue Herausforderungen auf mich. Auch die Zeit danach wird nicht einfacher – ich habe mir sagen lassen, dass ein Wachtmeister kaum fünf Stunden pro Nacht schläft. Hinzu kommt noch die grosse Verantwortung den Rekruten gegenüber und der Berg an Arbeit.

Mein Respekt, ja schiere Angst ist gross. Im Juni werden gut 30 Rekruten vor mir stehen, die keinen Plan haben, wie das Militär überhaupt ist. Ich erinnere mich an meine eigene Anfangszeit zurück, als ich so grosse Angst hatte, eine falsche Gefechtsmeldung zu machen, dass ich kaum traute, allein irgendwo durchzulaufen.

Mir bleibt einzig, darauf zu bauen, dass meine ehemaligen Gruppenführer mich auf diese Aufgabe ausreichend vorbereitet haben. Daran hege ich indes keinerlei Zweifel – der grosse Respekt bleibt trotzdem. Dies ist der letzte Teil meiner Feldpost-Kolumne. Ich danke Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für die vielen positiven Reaktionen auf meine Texte. Soldat Zgraggen meldet sich ab!

Chiara Zgraggen (21) absolvierte von Januar bis Mai die Sanitätsrekrutenschule in Airolo.