Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kolumne

Papa-Blog: Genügend Schlaf ist für viele Eltern der
grösste Luxus

Sollen Kinder im Bett ihrer Eltern schlafen? Sollen sie so lange aufbleiben dürfen, wie sie wollen? Der Schlaf ist in vielen Familien
ein Reizthema.
Jürg Ackermann

Wenn es ums Schlafen geht, wird es schnell ideologisch: Während auf der einen Seite immer mehr Eltern darauf setzen, dass die ganze Familie in einem Bett schläft, schaudert es andere Paare nur schon beim Gedanken an irgendeine Form von familiärem Matratzenlager. Wo bleibt die Privatsphäre, wo die Erholung, wenn ständig Kinderbeine die Nachtruhe stören? Frisch gebackene Eltern betrachten die Menge Schlaf, die sie noch kriegen, schliesslich oft als grössten Luxus.

Die Frage nach Co-Sleeping stellte sich uns (zum Glück) nie. Die Kinder schliefen schon bald durch und gewöhnten sich schnell daran, in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer die Nächte zu verbringen. Ins Elternbett krabbeln sie meist nur, wenn sie Fieber haben oder wenn sie von Monstern oder Räubern träumen. Und selbst dann finden sie oft nach einer Stunde: «Ich will wieder in mein eigenes Bett.»

Eulen und Lerchen

So wie die Durchschlaf-Fähigkeiten ein Stück weit Glückssache sind, so wenig kann man als Eltern auswählen, ob das Kind als Eule oder Lerche geboren wird. Während Lerchen schon in frühen Morgenstunden fröhlich singen, kommen nachtaktive Eulen frühestens gegen Mittag auf Touren.

Unser Zweitgeborener kam eindeutig als Lerche zur Welt. Zwischen seinem ersten und dritten Lebensjahr gab es Phasen, in denen er regelmässig schon um fünf Uhr an seinem Gitterbettchen stand und «Papa oder Mama» rief. Selbst wenn er mal später ins Bett ging, weckte ihn die innere Uhr spätestens um halb sechs. Trotz gutem Zureden war an weiteren Schlaf nicht zu denken. Irgendwann beugten wir uns dem Schicksal.

Elefanten und Kamele

So hob meist der noch etwas schlaftrunkene Vater seinen Sohn aus dem Gitterbett, setzte ihn aufs Sofa und schleppte sich selber zur Kaffeemaschine. Danach schauten wir so ziemlich jedes Büchlein an, das wir hatten: Ein Ritter da, ein Feuerwehrmann hier, ein Elefant hier, ein Kamel da. Und ja, am Himmel gibt es nicht nur den Mond, sondern auch ganz viele Sterne.

Wie so oft verklärt man als Eltern im Rückblick vieles, aber dennoch: So hautnah dabei zu sein, wenn das eigene Kind wieder etwas Neues in dieser grossen, weiten Welt entdeckt und es benennen kann, hat etwas Zauberhaftes – gerade auch dann, wenn der Rest der Familie noch schläft und man als Frühaufsteher die Segnungen der frühen Morgenstunden zu schätzen weiss. Oft kommen mir zu keiner Tageszeit bessere Ideen und klarere Gedanken als in jenen Momenten frühmorgens, die auf die erste Tasse Kaffee folgen.

Kinder brauchen auch Grenzen

Sollen Kinder machen können, was sie wollen? Diesen Leitsatz wenden manche Eltern, die mit möglichst wenig Zwang erziehen wollen, auch an, wenn es ums Schlafen geht. Kinder dürfen dann selber wählen, wann sie ins Bett gehen.

Solche Erziehungsmethoden sind in der Theorie vielleicht schön, in der Praxis aber eher untauglich. Konsequent durchgezogen würde diese Methode wohl viele ins Fiasko stürzen – weil man als Eltern nach einem anstrengenden Tag auch mal noch in Ruhe ein Glas Wein trinken und sich über Dinge unterhalten will, die nichts mit Windeln-Wechseln oder Schoppen-Zubereiten zu tun haben.

Und Kinder brauchen auch Grenzen, damit sie sich daran reiben und diese später hinterfragen können. Wer jeden Tag erst um zehn ins Bett geht, für den ist es nichts Besonderes mehr, wenn er in den Ferien im Hotel mal länger aufbleiben darf. Und mit den neuen Freunden über Wiesen tollen und unter dem Schein der Strassenlaternen Autorennen mit Bobby-Cars veranstalten kann.

Jürg Ackermann lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (8 und 5) in St. Gallen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.