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Kolumne

Ferienfrust: Monopol der Lüfte, Servicewüste für Kunden

Die akuten Defizite in der deutschen Aviatik gehen zulasten des geplagten Fluggastes.
Miriam Meckel
Miriam Meckel, Publizistin.

Miriam Meckel, Publizistin.

Es dauert meist ein wenig, bis die Folgen ordnungspolitischen Versagens auf ganzer Linie spürbar werden. Ferienreisende haben derzeit die einmalige Chance, sie ganz direkt zu erleben. Das sieht dann so aus: Ein Ferienflug auf eine griechische Insel, angesetzt für drei Stunden, dauert knapp vierzehn. Am Umsteigeflughafen Berlin warten die Passagiere stundenlang, um dann endlich mit dem Bus zum Flieger gefahren zu werden. Doch niemand steigt ein, nur der Pilot in den Bus, um zu erklären, dass der Flug gecancelt ist. Auf der griechischen Insel hat die Flugsicherung kapituliert, weil alle krank sind. Dadurch ist der Landeslot so spät angesetzt, dass die deutsche Crew ihre Arbeitszeit überschreiten würde. Eine Ersatzcrew? Keine Chance. Fliegen wir dann morgen? Kein Flug vorgesehen, kein Flugzeug verfügbar.

Im Bus bahnt sich eine Revolte an. Plötzlich kommt ein Lotse gerannt: einsteigen, aber dalli, es geht los. Huch, wie jetzt? Ja, so jetzt eben. Willkommen in der Fluglotterie 2018. Nur noch nebensächlich: Der achttägige Urlaub wird zum unfreiwilligen Nudistencamp. Die Koffer landen nach sieben Tagen auf der Insel, 24 Stunden vor Rückflug.

Man konnte sich diese Geschichten seit Herbst 2017 ausmalen. Da war klar, dass die Lufthansa den Grossteil der insolventen Air Berlin übernehmen darf. Die war zuvor mit einem 150-Milliarden-Kredit der deutschen Bundesregierung noch auf sanften Flügeln durch die Sommerferien getragen worden. Bilder zuhauf gestrandeter Urlauber wollte man vor der Bundestagswahl in Deutschland im Herbst 2017 ja nicht so gerne sehen. Den Grossteil der Millionen wird nun wohl der Steuerzahler tragen müssen.

Es ist also genau das passiert, wovor viele Kartellexperten frühzeitig gewarnt hatten. Dem Wettbewerb ist auf vielen Strecken in Deutschland die Luft ausgegangen. Eurowings, Billigableger der Lufthansa, hat erst einmal einige hundert Verbindungen gestrichen, auch für die verbleibenden fehlen häufig Crews und Flugzeuge. Fliegen wird zuweilen von der schnellsten zur langsamsten Verbindungsmöglichkeit. Der Komfort, der einst mit ihm verbunden war, ist einem Kampf ums Fortkommen gewichen.

Der ordnungspolitische Fehler der deutschen Bundesregierung hat einen europäischen Bruder. Der wurde 1999 geboren und heisst «Single European Sky». Leider hat er sich nie aus der Umklammerung seiner nationalen Geschwister lösen können. Statt die Flugverkehrskontrolle konsequent europaweit zu vereinheitlichen, halten die EU-Staaten an ihren überforderten nationalen Flugsicherungen fest, die personell unterbesetzt sind und mit veralteten Systemen arbeiten. Dabei gäbe es Geld genug. Die supranationale Organisation Eurocontrol hat im vergangenen Jahr 8 Milliarden Euro von den Fluggesellschaften erhoben und sie den nationalen Flugsicherungen zur Verfügung gestellt. Einem einheitlichen europäischen System könnte man damit ein Upgrade in die Neuzeit verpassen. Nicht aber den Hausmacherlösungen einzelner EU-Staaten. Die profitieren lieber von einem ebenfalls veralteten Gebührensystem, das nationale Alleingänge belohnt.

Wohin man schaut, Markt und Wettbewerb scheinen in der europäischen Luftfahrtindustrie zu Fremdwörtern zu werden. Vielleicht beginnt der Kunde irgendwann, seine Nachfrage neu auszubuchstabieren und fährt bald lieber mit der Bahn an den See. Wenn die Fernreiseziele ob des Klimawandels kein Monopol auf Sonnenstunden mehr haben, fängt die Flugbranche vielleicht an, neu nachzudenken.

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