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Kolumne

Mini Büez: «Manchmal braucht es etwas mehr Mut bei der Hochzeitstorte»

Paula Lo Martire und ihre Schwägerin betreiben in Frauenfeld das Unternehmen "Schmöckt Guet". Spezialisiert sind sie auf Hochzeitstorten.
Larissa Flammer

Andrea, meine Schwägerin und Geschäftspartnerin, ist die Bäckerin von uns beiden. Ich helfe ihr beim Dekorieren der Torten und anderen Desserts, mache aber vor allem die Beratungsgespräche und alles rund he-­ rum. Das Hauptgeschäft von «Schmöck Guet» sind Hochzeitstorten. Für das grosse Fest stellen wir aber auch ganze Dessertbuffets zusammen, in deren Mittelpunkt die Torte steht. Je nach Wunsch setzen wir ein ganzes Konzept um und arbeiten auch mit Floristen zusammen.

Wir sind beide keine ausgebildeten Confiseurinnen, sondern haben vieles selber gelernt und uns in Kursen und Workshops weitergebildet. Ich war lange KV-Angestellte und habe nie genau gewusst, was eigentlich meine Talente sind. Es kann ja nicht sein, dass ich nur gut Telefone abnehmen kann. Gemerkt, wie toll ein Dessertbuffet ankommen kann, haben wir beim 60. Geburtstag meiner Mutter, als wir sie damit überrascht haben. Anfänglich waren es vor allem Geschäfts-kunden – wie zum Beispiel mein Arbeitgeber – die uns Aufträge für ein Weihnachtsessen oder ein spezielles Meeting gaben. Doch Hochzeitstorten sind die Königsdisziplin.

Unsere Backstube ist in unserem Generationenhaus in Frauenfeld. Ohne unsere Familien könnten wir das gar nicht machen. Sie halten uns den Rücken frei. Im Ladenlokal im Zentrum von Frauenfeld führen wir die Beratungsgespräche durch. Meist kommt die Braut mit Bräutigam, Trauzeugin oder Mutter. Andrea bereitet verschiedene Geschmäcker vor, dann dürfen die Kunden degustieren. Uns ist wichtig, die Wünsche und die verschiedenen Designmöglichkeiten zu besprechen. So ein Beratungsgespräch dauert etwa eine Stunde, ist bis jetzt kostenlos und verpflichtet zu nichts. Schliesslich muss das Brautpaar uns vertrauen können, es muss passen. Die Torte ist meist das letzte auf der To-do- Liste vor einer Hochzeit. Und da wir schweizweit liefern, kann das Brautpaar alles uns überlassen, was eine Erleichterung ist.

Die Hochzeitsaison in der Schweiz dauert in der Regel von Mai bis Oktober. Mittlerweile begleiten wir fünf bis sieben Hochzeiten pro Wochenende. Um alles ausliefern zu können, fahren wir dann zwei unterschiedliche Routen. Wir haben auch immer ein Notfallset dabei, um eine Zuckerblüte wieder befestigen zu können. Einen Plan B gibt es aber nicht, alle Torten sind Einzelanfertigungen. Uns ist Qualität extrem wichtig. Wir kaufen alles möglichst bio, aus der Region, frisch und saisonal. So können Brautpaare auch ein Stück Torte einfrieren und später essen.

Die Mehrheit der Brautleute hat eine sehr klare Vorstellung von einer Hochzeitstorte. Wir geben unsere Erfahrungen mit, zum Beispiel ob der Geschmack der Torte zum Menü und der Saison passt oder ob für eine Gesellschaft von 300 Leuten die Torte nicht besser in der Küche geschnitten wird. Manchmal müssen wir auch von Wünschen abraten. Eine Schwarzwäldertorte zum Beispiel kann nicht mehrstöckig sein, da der viele Rahm dafür nicht stabil genug ist.

Schweizer sind eher zurückhaltend, wollen nichts Extravagantes. Da müssen wir manchmal zu ein bisschen mehr Mut verleiten. An eine Braut kann ich mich erinnern, die uns erst nach einer gewissen Zeit verriet, dass sie sich eine schwarze Torte wünscht. Sie hatte wohl erwartet, dass wir ihr davon abraten, doch sie kriegte ihre fünfstöckige, nachtschwarze Torte mit weissen Zuckerorchideen und Goldverzierung.

Meine eigene Hochzeitstorte vor 15 Jahren war schrecklich, damals war diese Kunst in der Schweiz auch noch nicht so verbreitet. Umso mehr freut es mich, wenn Brautleute sich so überschwänglich bei uns bedanken. An einer Hochzeit kann vieles schief gehen, doch immer wieder sagen uns Kunden: Die Torte oder das Buffet habe alles wieder wettgemacht. Heute schon ist klar, dass wir auch die Hochzeitstorten unserer Kinder machen werden. Noch sind sie aber klein und unsere schärfsten Kritiker, wenn sie die neusten Kreationen probieren dürfen.

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