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MINI BÜEZ: «Beim Anblick von Schotterflächen in Gärten schüttelt es mich»

Larissa Flammer

Jetzt, während der Saison, arbeiten wir in der Biogärtnerei/Naturgärtnerei Neubauer in Erlen sieben Tage die Woche. Deshalb soll der Arbeitsraum entsprechend angenehm sein. Ich will nicht einfach von meiner Arbeit leben, ich will für meine Arbeit leben. Die Zahl am Ende des Jahres ist nur ein Teil des Ganzen.

Unser Betrieb ist nicht auf Effizienz getrimmt. Wir haben einen Regenteich mit Fröschen und eine Laube, unter der das Team auch zu Mittag isst. Im Schau­garten führt meine Frau zudem Kurse zu Heilpflanzen, Frauenheilkunde oder Räuchern durch. ­Andere Gärtnereien spielen Hintergrundgeräusche ab Lautsprecher ab, bei uns ist die Natur noch natürlich. Wir sind ein Team von 15 Leuten, davon sind 5 Lehrlinge. Die Gärtnerinnen machen im Winter zwei Monate Ferien, weil sie im Frühling so viel arbeiten. Für die Lehrlinge, die im Winter trotzdem Berufsschule haben, muss ich dann jeweils Arbeit suchen. Wir gehen aber auch mal Ski fahren.

Als ich unsere Zierpflanzengärtnerei von meinem Vater übernommen habe, war für mich klar, dass wir auf Bio umstellen. Damit gab es einen grossen Sortimentswechsel hin zu einheimischen Pflanzen und Kräutern. Heute bieten wir zu 50 Prozent Kräuter an und nur noch zu einem kleinen Teil Zierpflanzen. Ende Jahr wird mein Sohn in dritter Generation die Biogärtnerei/Naturgärtnerei Neubauer übernehmen. Meine Frau und ich werden aber weiter mitarbeiten.

Wir waren eine der ersten Gärtnereien, die auf Bio umgestellt haben. Ich bin schon etwas stolz darauf, dass wir die Bio-Suisse- Nummer 389 haben. Heute gibt es weit über 6000 angeschlossene Betriebe. Mein Leitspruch lautet: «Ideal ohne Handeln bleibt Illusion. Handeln ohne Ideal bleibt banal.» Bevor ich die Gärtnerei übernahm, bin ich in der Welt herumgereist. Die Umweltthematik kam auf. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr so weitermachen will. Da wir bei der Arbeit so viel Lebenszeit investieren, soll sie einem Ideal folgen. Ich wünsche mir, dass die Gärtnerei auch unter meinem Sohn ein Lebensraum bleibt.

Mir tut die Tendenz zur Leblosigkeit weh, die man zum Teil sieht. Beim Anblick der Schotterflächen in Gärten schüttelt es mich. Wir nehmen mit Wohnraum und Verkehr so viel Fläche in Anspruch, dass wir wenigstens was übrig bleibt möglichst vielfältig und lebendig gestalten sollten. Es gibt zum Beispiel zwar immer mehr Bienenhotels, aber keine Nahrung für die Insekten. Wiesen, in denen es kein Blüemli haben darf, sind ökologisch wertlos. Es ist verrückt, dass wir zwar Schmetterlinge im Garten wollen, es uns aber stört, wenn Raupen die Pflanzen anfressen.

Die Gärtnerei Neubauer hat zum Glück eine sehr lässige Kundschaft. Sie handeln bewusst und schätzen uns. Neben den Kunden, die von St. Gallen bis Winterthur zu uns kommen, verkaufen wir unsere Pflanzen über Bioverteiler in der ganzen Schweiz. Wer zudem nicht extra für ein Pflänzchen nach Erlen kommen will, kann bei uns im Onlineshop bestellen. Wir verschicken Pakete mit der Post.

Notiert: Larissa Flammer

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