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Kolumne

Hallo Midlife-Crisis: Mein erster Seniorenrabatt

Einblicke - Ismail Osman, stv. Leiter des Regionalbundes der «Zentralschweiz am Sonntag», über die Panik plötzlich mit dem eigenen Alter konfrontiert zu werden.
Ismail Osman, Redaktor
Ismail Osman?

Ismail Osman?

«Du musst jetzt stark sein, alter Junge», sage ich mir und beisse auf die Unterlippe. Der Blick hinauf zum Werbebildschirm im Bus macht mich fertig. Und doch kann ich nicht wegschauen. Alle paar Minuten blitzt dort der Anlass meiner plötzlichen Verzagtheit auf – die Werbung für die Jubiläumsausgabe der Luga. «Werden Sie dieses Jahr auch 40? Dann feiern Sie mit uns! Gratis Eintritt für alle mit Jahrgang 1979!»

Es ist also soweit. Ich bin so alt, dass ich Seniorenrabatt kriege. Ich wusste, dieser Tag würde kommen – aber muss es schon jetzt sein? Im Busfenster studiere ich mein Gesicht. Was ich sehe, ist eine groteske, von tiefen Krähenfüssen durchfurchte Fratze, die mich mit leeren schwarzen Augen anstarrt. Ich lege die Krienser Wöschwiib-Maske ab und wage einen zweiten Blick.

Ich sehe sie schon vor mir, diese Luga-Leute. Wie sie mich mit gütigen, hilfsbereiten Augen ansehen. Mich an Schulter und Ellbogen fassen und fragen, ob ich mich zurechtfinde. Es sei schon eine grosse Messe, da könne man schon mal die Orientierung verlieren. Beim Stand der Whirlpoolverkäufer wird man mir unaufgefordert versichern, dass die Modelle mit eingebauter Antirutschmatte erhältlich seien.

Mit Wehmut werde ich die Augen zusammenkneifen und versuchen, zum Lunapark ennet dem Zaun zu blicken. Ich glaube den Geist meiner eigenen Jugend zu erkennen, der dort noch immer im Putschiauto sitzt und vor Freude quietscht. Jäh wird mich der Sicherheitsmann aus diesem Tagtraum reissen und mich schroff anweisen, es zu unterlassen, mit meinem Rollator die Sau im Streichelzoo anzurempeln. Ich entschuldige mich – auch bei der Sau – und gebe den Rollator seiner rechtmässigen Besitzerin zurück.

«Reiss dich zusammen!», werde ich mich anfeuern. Ich werde eine Herausforderung suchen, um allen meine noch immer unangetastete jugendliche Kraft und Agilität zu beweisen und beim Luga-Maibaum fündig werden. 10 Meter hoch ist dieser – wer es bis ganz nach oben zum bunt geschmückten Kranz schafft, dem winken Ruhm und Ehre.

Der Versuch wird in einem für mich wenig schmeichelhaften viralen Video namens «Maibaum-Fail» enden. Später, so mit 85, werde ich über solch jugendlichen Übermut vermutlich nur noch milde lächeln können, während mich mein Hausroboter (an der Luga 2064 erstanden) in den rutschfesten Whirlpool hievt.

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