Kolumne
Man sollte Guillemenot bei jeder Schwalbe vom Platz nehmen

Niemand zweifelt daran, dass St.Gallens Trainer Peter Zeidler den talentierten Jérémy Guillemenot darauf aufmerksam macht, dass er sich und dem Team mit seinen Schwalben einen Bärendienst erweist. Zudem hat der FC St.Gallen die Fairplay-Trophy gewonnen, da passt dieses Verhalten überhaupt nicht ins Bild.

René Bühler
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Unser Kolumnist René Bühler

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Benjamin Manser

Einheitlich teilt man die Meinung, dass man eine solche Untugend doch abstellen sollte. Was man sich fälschlicherweise «antrainiert» hat, ist aber wohl gar nicht so einfach wegzubekommen. Nicht anders ist es zu erklären, dass der St.Galler Stürmer auch in der vergangenen Saison jede Möglichkeit wahrgenommen hat, eine Schwalbe auszupacken. Selbstverständlich ist er damit nicht der Einzige auf den Schweizer Fussballplätzen, aber er ist der auffälligste und schlechteste «Flieger» in der Super League.

Als Schiedsrichter ist man bei ihm gut beraten, nur dann einen Penalty zu pfeifen, wenn man sich der Sache absolut sicher ist, ansonsten lässt man sich besser im Nachgang vom Videoassistenten (VAR) korrigieren. Auffallend ist aber auch, dass es im bezahlten Fussball mehr Schwalben gibt als im Amateurfussball. Man gewinnt aber auch den Eindruck, dass die «Flieger» in den Strafräumen tendenziell weniger geworden sind, dafür konzentrieren sich viele noch mehr auf andere theatra­lische Aktionen. Es wäre empfehlenswert, wenn der Videoschiedsrichter bei offensicht­lichen Schauspielereien auch ausserhalb des Strafraums eingreifen würde, damit die Spieler merken, dass auch hier die Chancen auf Erfolg kleiner werden. Eigentlich müsste der Trainer Guillemenot nach jeder Schwalbe vom Platz nehmen. Wahrscheinlich wäre dies ein probates Mittel, um dieser Untugend ein Ende zu setzen.

Die Verantwortlichen suchten die Schuld nicht beim Schiedsrichter

Nach wie vor ist es Aufgabe des VAR, dazu beizutragen, dass der Fussball ehrlicher wird, dies gelingt in vielen Fällen. Es mag sein, dass der FC St.Gallen in der vergangenen Saison diesbezüglich am schlechtesten weggekommen ist, aber möglicherweise ist es ja auch Selbstverschulden. Man denke dabei nur an den Cupfinal, wo der Schiedsrichter respektive der VAR mindestens einen Penalty und ein Offside hätte sehen müssen. Vielleicht ist es so, dass der Schiedsrichter auf dem Platz und der VAR nicht nur bei Guillemenot nicht mehr reagieren, sondern den FC St.Gallen zu diesem Thema immer mehr auf dem Kieker haben.

Es war lobenswert, dass die Spieler und Verantwortlichen des FC St.Gallen die Schuld für die Niederlage nach dem Cupfinal nicht beim Schiedsrichter und dem VAR gesucht haben, sondern bei sich selber. Auf jeden Fall sollte Guillemenot die neue Saison als persönlichen Neustart zu diesem Thema sehen. Aktuell hat er mit seinen unfairen Aktionen seinem Ruf geschadet und es besteht die Gefahr, dass die Schiedsrichter beim FC St.Gallen grundsätzlich kritischer hinschauen. Der 23-jährige ehemalige U21-Nationalspieler der Schweiz hat viel Talent. Dies bewies der Romand, als er im Cup-Viertelfinal auswärts bei den Grasshoppers mit einem Zuckerpass das Traumtor von Lukas Görtler eingeleitet hat.

Aber auch die Verantwortlichen des Schiedsrichterwesens müssen dringend über die Bücher. Es kann doch nicht sein, dass trotz der zweijährigen Erfahrung immer noch so gravierende Fehler passieren. Der VAR ist als Unterstützer für den Schiedsrichter gedacht und wenn Hunderttausende vor den Bildschirmen solche Fehlentscheide sehen, dann ist der VAR im Moment (noch) nicht auf der Höhe seiner Aufgabe.

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