Kolumne

Lü: Über Nacht zum Millionär

Ein Infopoint für jeden Touristen, ein Halbkanton ohne Nationalrat und leidige Efeuranken. 

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger. (Bild: Coralie Wenger)

Silvan Lüchinger. (Bild: Coralie Wenger)

Streit – was denn sonst? – in Arbon. Der Verein Arbon Tourismus will die neue Leistungsvereinbarung mit der Stadt nicht unterschreiben, weil diese ihren Beitrag von 75'000 auf 25'000 Franken reduziert. 50'000 Franken sollen stattdessen an das Pilotprojekt für ein regionales Tourismuskonzept gehen. Dieses sieht unter anderem vor, dass es in Arbon statt einem künftig drei Info-Standorte für Touristen gibt. Das wäre dann für jeden Touristen einer.

Die Frauen des FC St. Gallen-Staad haben gute Chancen, in die Nationalliga A aufzusteigen. Entsprechend wächst das Interesse an Federico d’Aloia. Doch der Medienverantwort­liche blockt ab: «Der Trainer steht generell nicht für Interviews zur Verfügung.» Die Zuschauer sollten froh sein, dass sie überhaupt zuschauen dürfen.

Wenn Nationalrat Daniel Fässler Ende Monat von der Landsgemeinde zum neuen Innerrhoder Ständerat gewählt wird, muss er als Nationalrat zurücktreten. Die Standeskommission will seine Nachfolge nicht sofort, sondern erst im Zuge der ordentlichen Erneuerungswahlen im Oktober regeln. Damit hätte Innerrhoden während rund einem halben Jahr keinen Nationalrat. Was das im Krisenfall für die Schweiz bedeuten kann? Nicht auszudenken.

Geht es nach dem Komitee «Bürger mit Weitsicht», wird es so weit aber nicht kommen. Die Weitsichtigen wollen nämlich am 28. April nicht Fässler, sondern alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner als Ständerat wählen. «Wir vertrauen Thomas Rechsteiner und seiner Politik» heisst es in einem entsprechenden Inserat. Was man auch so verstehen kann, dass sie jemand anderem nicht vertrauen.

Im Zuge einer Durchforstungsaktion hat die Stadtgärtnerei Rorschach nicht nur wuchernde Brombeeren geschnitten, sondern auch Efeuranken an alten Bäumen gekappt. Sehr zum Ärger von Natur- und Tierschützern. In Sachen Grün brauche es eben eine intensive Pflege, sagt der Stadtschreiber. Weil zu einer zivilisierten Gesellschaft Ruhe und Ordnung gehörten. Wer an seinen Bäumen Efeu emporwachsen lässt, ist demnach ein unzivilisierter Störenfried – und provoziert den Rückfall in eine grüne Stadt.

Eine Volksaktie wollte Peter Spuhler mit dem Börsengang seiner Stadler Rail schaffen. Das ist ihm gelungen, auch wenn dank Aktienzuteilung Dutzende Stadler-Kaderleute über Nacht zu Millionären wurden und andere Interessierte das Nachsehen hatten. Die öffentlichen Aufträge, die an Stadler Rail gehen, werden letztlich schliesslich vom Volk finanziert.