Lieber über die Theke als über die Gasse

Das neue Jahr ist noch keine zweieinhalb Monate alt, und schon häufen sich die Schlagzeilen im Zusammenhang mit Cannabis. «Zwei Hanfanlagen sichergestellt», «Geldstrafen wegen Hanfanbaus», «Marihuana, um Schulden zu tilgen» oder «Hanf als Zubrot angebaut» lauteten Meldungen in dieser Zeitung.

Sarah Gerteis
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Die Stadt Bern will mit einem wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch den Handel und Konsum von Cannabis regulieren. (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Die Stadt Bern will mit einem wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch den Handel und Konsum von Cannabis regulieren. (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Das neue Jahr ist noch keine zweieinhalb Monate alt, und schon häufen sich die Schlagzeilen im Zusammenhang mit Cannabis. «Zwei Hanfanlagen sichergestellt», «Geldstrafen wegen Hanfanbaus», «Marihuana, um Schulden zu tilgen» oder «Hanf als Zubrot angebaut» lauteten Meldungen in dieser Zeitung. Allesamt betrafen sie Fälle von Cannabis-Anbau in der Ostschweiz. Die Indoor-Anlagen sind in Wohngemeinschaften versteckt, in Kellern von Einfamilienhäusern, in ausgedienten Ställen, in Gewerbeliegenschaften. Mit der Ernte wird der hiesige Markt versorgt. Und der ist gross.

Obwohl die Polizei Plantage um Plantage aushebt, die Setzlinge vernichtet und die Züchter vor Gericht landen, ist der Pflanze mit der berauschenden (und auch heilenden) Wirkung nicht beizukommen. Zu verbreitet ist der Konsum, zu einfach der Anbau, zu lukrativ der Handel für den Schwarzmarkt. Diesen zu unterbinden ist eines der Ziele, die sich die Städte Genf, Basel, Zürich und Bern gesetzt haben. Der von Bern eingeschlagene Weg, Cannabis über Apotheken zu verkaufen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Personal ist den Umgang mit heiklen Substanzen gewohnt, die nüchterne Umgebung verhindert den Reiz des Zwielichtigen, der moderate Konsum wird entkriminalisiert, der Verkauf über die Gasse umgangen und die Herstellung des Drogenhanfs im besten Fall kontrolliert.

Nun kommt es auf den Bund an, der dem Pilotprojekt grünes Licht erteilen muss. Und auf die Politiker. Sie täten gut daran, Hand zu konstruktiven Lösungen im Umgang mit Cannabis zu bieten, sollten die Resultate des wissenschaftlich begleiteten Versuchs dereinst positiv ausfallen.

sarah.gerteis@tagblatt.ch