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Lieber Roger Federer!

Peach Weber über seine eigenen Erfahrungen als Tennisspieler und warum er mit dem Schweizer Sportidol lieber Mikado spielen möchte.
Peach Weber
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Du bist so ein netter Kerl, Dir würde man sogar eine defekte Kaffeemaschine abkaufen. Bei einer Umfrage würden sicher über 90 Prozent der Frauen sagen, dass sie gern mit Dir ins Bett möchten, bei den Männern wäre die Quote wohl nur unwesentlich tiefer. Nun denn, Deine Tenniskarriere kennen wir ja alle im Detail, deshalb ist es sicher für Dich interessanter, etwas von meiner zu hören:

Wenn Du mich heute im Coop, auf mein Einkaufswägeli gestützt (unverdächtige Vorstufe des Rollators), um die Regale schlurfen siehst, dann verzeihe ich Dir, wenn Dein erster Gedanke nicht ist: Oh, der war sicher mal Tennisprofi! Aber ich habe doch mal ganz passabel und leidenschaftlich Tennis gespielt. Ich kann sogar sagen, wir waren Tennis-Pioniere. Natürlich haben wir den Tennissport nicht erfunden, das waren vor langer Zeit zwei Orang-Utans, die sich mit Keulen Kokosnüsse um die Ohren gehauen haben. Aber wir waren live dabei, als das Tennis sich vor vielen Jahren aufmachte, zum Sport für jedermann zu werden.

Das war es vorher nicht, es war ein Sport für die Elite, nicht etwa die geistige, nein, die finanzielle. Diese «Oberen Zehntausend» hatten einen Trick, damit wir Normalsterblichen keine Chance hatten, den heiligen Sandplatz zu entweihen:

Man musste nämlich weisse Kleider und Schuhe kaufen, und zwar bis zu Socken und Unterhose. Gut, die Unterhosen waren damals sowieso alle weiss, jedenfalls am ersten der vier bis fünf Tragetage. Aber weisse Tennis-Schuhe und vor allem das teure Racket, welches man ausserhalb des Platzes nicht einmal zum Nudelnabtropfen brauchen konnte, das war für uns, aus den Niederungen des Volkes, unerschwinglich.

Dann kam der Erlöser, die Lichtgestalt war ein Tennislehrer. Er hatte die geniale Idee, im Sommer die Kunsteisbahn zu mieten, diese war ja dann so unnütz, wie eine Blockflöte am Grümpelturnier. Er kaufte einen Kunststoffbelag, der zwar wohl eher als Sitzplatzbelag gedacht war. Trotzdem waren wir begeistert, denn endlich konnten wir Normalos einander die Bälle um die Ohren schlagen. Da gerade die Hippie-Zeit herrschte, sahen wir wohl mit den langen Haaren nicht viel anders aus, als damals die zwei Orang-Utans. Ich spielte mit einem Freund, unser Ehrgeiz war es, die Saisonkarte schon nach zwei Monaten amortisiert zu haben. Das gelang uns immer, denn wir nutzten auch die heissen Mittagsstunden im Sommer.

Mein ganzer Stolz war mein Aufschlag. Er war das Einzige, was ich überdurchschnittlich beherrschte, alle anderen Schläge waren Mittelmass. Aber die Aufschlagbewegung fand ich geil und brachte deshalb bald schon eine Geschwindigkeit in den Ball, vor dem sich auch schon mal Höherklassierte wegduckten, um einen längeren Spitalaufenthalt zu vermeiden.

Der Nachteil war, sobald mein Service von einem Furchtlosen retourniert wurde, stand dann plötzlich ich selber im Schilf. Dass ich nie verletzt war, grenzte an ein Wunder, denn wir spielten uns höchstens ein paar Minuten ein, um dann sofort in den Match-Modus zu schalten. Und das hiess bei uns: «Einander herumhetzen bis zur Erschöpfung». Stoppball, Lob, Cross, Longline etc. und zwar in möglichst unlogischer Kombination. Manchmal lagen wir nach einem langen Punkt beide am Boden, lachten und waren völlig zufrieden. Mit etwa 40 habe ich beschlossen aufzuhören, denn ich war überzeugt, mit dem Alter wird das Risiko zu gross für Verletzungen.

Gut, man könnte vernünftig werden und sich nur noch schön die Bälle zuspielen. Aber exgüsi, da greife ich lieber zu den Mikadostäbchen. Du bist ja auch bald 40, vielleicht nimmst Du Dir an mir ein Beispiel und wir treffen uns mal zum Mikado?

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