Kolumne
«Landauf, landab»: Von Hunden und Wölfen

In der aktuellen Kolumne «Landauf, landab» schreibt Journalistin Luzia Mattmann über die Kunst auch einmal «langsam» zu denken.

Luzia Mattmann
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Luzia Mattmann (Bild: PD)

Luzia Mattmann (Bild: PD)

Sind sie bereit für ein kurzes Spiel? Also aufgepasst: Was fällt ihnen zum Begriff Schnelldenker ein? Gut. Vermutlich haben Sie jetzt an jemanden Bestimmtes gedacht. Vielleicht sogar – mit einem leichten Erröten – an sich selber. Das passiert mir manchmal auch – leider.

Wer schnell denkt, hat zwar schnell eine Meinung, aber selten ist sie wirklich durchdacht. Das habe ich in der Konversation mit einem noch recht jungen Menschen erfahren. Wir waren in den Ferien in den Bergen und informierten uns darüber, was man in der Gegend unternehmen konnte.

Unser Gastgeber empfahl uns ein paar Wanderungen in der Gegend. Er machte uns auch darauf aufmerksam, dass einige Schafherden von Schutzhunden bewacht würden. Man solle doch bitte grossräumig um diese Herden wandern, damit nichts Dummes passiere.

Der junge Mensch hörte aufmerksam zu, bestaunte die grossen Hunde auf einem Bild und hatte danach einige Fragen zum Thema. Das ging etwa so: Warum muss man aufpassen vor den Hunden? – Na, weil sie eben die Herde beschützen. Vor dem Wolf. – Aber wir sind ja kein Wolf. – Ja schon, aber die Hunde wissen das ja nicht. – Und warum bellen sie dann, wenn wir kommen? – Weil sie Angst haben um ihre Schafe. – Sind wir denn gefährlich für die Schafe? – Nein, wir tun denen doch nichts. – Warum bellen sie dann?

An der Stelle schaltete sich der Papa des jungen Menschen ein. Er machte uns darauf aufmerksam, dass Menschen sehr wohl gefährlich seien. Und ziemlich sicher sehr viel mehr Schafe fressen würden als Wölfe.

Für den jungen Menschen war die Welt wieder in Ordnung. Und ich habe mir geschworen, in Zukunft lieber wieder mal etwas langsamer zu denken.