Kolumne
Warum ich erste Dates nur mit Prosecco ertrug

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Dating und Alkohol.

Maria Brehmer
Maria Brehmer
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«Ich glaubte, dass ich meine natürliche Schüchternheit einfach Schluck für Schluck ablegen könne.»

«Ich glaubte, dass ich meine natürliche Schüchternheit einfach Schluck für Schluck ablegen könne.»

Sandra Ardizzone

Nie hatte ich ein erstes Date, das ohne Alkohol auskam. Mein allererstes ist die Ausnahme. Aber dazu später. Tatsache ist, dass Männergeschichten und Alkohol bei mir gekoppelt waren. Und er bei losen, oft wenig erfrischenden Abenteuern seine Finger fast immer im Spiel hatte.

Alkohol war der Fun Factor meiner ersten Dates

Dass Alkohol das ultimative Dating-Tool ist, entsprang meiner feuchtfröhlichen Twenties-Fantasie. Ihr war allerdings auch die Überzeugung geschuldet, dass mich Männer zu meiner eigenen Sicherheit von Partys nach Hause begleiten würden, einfach so, ohne Absichten.

Doch während ich nach vier, fünf irrtümlichen Annahmen diesbezüglich eines Besseren belehrt worden war, ging ich dem Fehlschluss, dass alkoholische Getränke zum Fun Factor eines ersten Dates gehören, noch lange auf den Leim. Viele Jahre, viele erste Dates, einige mal bessere, mal schlechtere Affären und Beziehungen lang.

Reden über Job, Haustiere, Sex

Die Frage «Was trinken wir?» eines mir (noch) fremden Mannes wirkte meist wie ein Startschuss auf mich: Von nun an ziehen wir an mindestens einem Strang gemeinsam. Konkret hiess das: Runden bestellen, erst über Job und Haustiere reden, dann über betrunkene Missgeschicke und schlechten Sex lachen.

Ich glaubte, dass ich meine natürliche Schüchternheit einfach Schluck für Schluck ablegen könne. Nach einem Glas Prosecco fühlte ich mich immer etwas sicherer, schlagfertiger.

Tatsächlich bot ich einfach nur ein selbstbewussteres, cooleres Ich an, das nicht so recht wahrhaben wollte, dass mir zu viel Nähe unangenehm war. Männer nannten das oft Mauer, fanden mich alles in allem aber recht witzig. Ich hatte Spass, fühlte mich begehrt und lernte ab und zu jemanden kennen, von dem ich mir sogar erhoffte, er würde mich mit Absichten nach Hause begleiten.

Mach mir ja nicht mein Getränk schlecht

Meine Flirtwaffe war allerdings selten treffsicher. Oft fand ich den Typen am Abend hinreissend, am nächsten Morgen löschte ich seine Nummer wieder aus meinem Handy. Ungern erinnere ich mich an ein Date mit einem Mann, der nüchtern bleiben wollte.

Als ich ein Glas Wein bestellte, zog er trotzdem nach, wollte bald ein zweites. Beduselt hörte er nicht auf, mir zu erklären, wie schädlich Alkohol für Magen und Darm sei. Er war Gastroenterologe.

So gelöst fand ich ihn unattraktiv. Vermutlich fand ich aber vor allem unsexy, wie er über das Getränk herzog, das ich gerade in der Hand hielt. Wie konnte er nur solch ein Spielverderber sein?

Heute, nach fünf Monaten, in denen ich keinen Alkohol trinke, denke ich gerne an mein allererstes Date zurück.

Verlegen, gehemmt, nüchtern

Ich lernte meinen ersten Freund in einem Tanzkurs kennen. Wir hatten schwitzige Hände und wussten nicht wohin mit unseren Blicken. Ich zerplatzte fast vor Nervosität. Ich war alles andere als schlagfertig.

Das Date meisterte ich dennoch irgendwie, wir waren einige Jahre ein recht glückliches Paar. Vermutlich, weil ich damals einfach so war, wie ich nun mal war mit 15. Verlegen, gehemmt, gutgläubig – und nüchtern. Und vielleicht darum auch irgendwie cool.